Dudweiler Relikte

 

Geschichtswerkstatt präsentiert “Dudweiler Relikte”

Die einzelnen "Dudweiler Relikte" wurden aus Anlass des Jubiläums der Dudweiler Geschichtswerkstatt von dem Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt Helmut Sauer im "Dudweiler Blog" bereits in loser Folge als Gastbeiträge veröffentlicht. Mit der hier erfolgten  Übernahme der Texte und Abbildungen als eigene Rubrik auf die Homepage der Dudweiler Geschichtswerkstatt entsteht eine ununterbrochene Folge dieser Beiträge. Der bisher abgedeckte zeitliche Horizont der Jahre 2018 und 2019 wird dadurch aus dem auf Aktualität abzielenden Blog-Medium herausgelöst und in kompakter Form einsehbar.

 

Zudem eröffnet sich die Möglichkeit, weitere (bisher vielleicht nicht entdeckte) oder auch "neue" derartige Relikte und ihre Geschichte zu beschreiben.

 

 

Denkmäler, öffentliche Kunstwerke und markante Gebäude prägen das Bild einer jeden Gemeinde. Zusammen mit historischen Fotos und Dokumenten jeder Art geben sie Zeugnis ab über Ereignisse und Personen vergangener Epochen.

 

Übersehen wird oft, dass auch vereinzelte, eher unauffällige oder profane Hinterlassenschaften und Überreste – auch in Form von sprachlichen Ausdrücken und Namen – aus vergangenen Zeiten weiterhin in Sammlungen und im Ortsbild vorhanden sind, auch wenn ihre historische Bedeutung unerkannt ist oder ihre frühere „Alltagsgeschichte“ vergessen oder nur noch wenigen Menschen geläufig ist. In der Geschichtswissenschaft bezeichnet man einen Gegenstand oder ein Dokument, der oder das aus anderen Gründen erstellt wurde als dem, die Nachwelt über Gegenwart oder Vergangenheit zu unterrichten, als „unabsichtlich“ hergestellte Quelle.

 

Auch in Dudweiler finden sich derartige Relikte und sind der Erinnerung und Bewertung im Rahmen der Ortsgeschichte wert, bevor sie verschwinden oder vergessen werden.

 

In einer jeweils kurz erläuterten Bilderfolge im Dudweiler Blog erinnert die Dudweiler Geschichtswerkstatt in lockerer Folge an einzelne solcher in seinen Sammlungen und im Ortsbild des Stadtbezirks Dudweiler vorhandenen Objekte und versucht derartige Überreste zu dokumentieren und historisch einzuordnen. Die erste Folge wird zeitgleich mit dieser Pressemitteilung präsentiert.

 

Dabei ist es ausdrücklich erwünscht, hierzu sachkundige Kommentare oder ergänzende Informationen zu erhalten – entweder über Dudweiler Blog oder zur E-Mail-Adresse: otto977@t-online.de

 

Ebenso erwünscht sind Hinweise auf weitere derartige Relikte und hierauf bezogene Fotos oder Dokumente aus der vergangenen Zeit.

 


 

Dudweiler Relikte Folge 1  -  Einmannbunker Albertschacht

 

Im Gelände westlich der früheren Schachtanlage an der Albertstraße in der Nähe des Platzes des ehemaligen Schlafhauses steht einsam im Wiesengelände ein sog. Einmannbunker aus Beton. Ein weiteres derartiges Bauwerk befand sich früher an der westlichen Ecke der Einfahrt zum Schachtgelände in der Albertstraße, heutige Adresse: Pascalschacht 1.

 

Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine sog. Splitterschutzzelle (Vgl. dazu etwa den Artikel „Splitterschutzzelle“ bei Wikipedia). Diese wurden im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges entwickelt und sollten Schutz vor Granat- und Bombensplittern sowie durch Beschuss mit leichten Feuerwaffen bieten. Hier an der Dudweiler Albertstraße sollten sie das Sicherungspersonal der dortigen Bergwerksanlage und damit auch potentiellem Ziel für Angriffe schützen. Hinzu kommt, dass während des 2. WK im inzwischen abgerissenen Schlafhaus in der Albertstraße Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht waren, die ebenfalls einer Bewachung unterlegen haben und deren Wachpersonal bei Angriffen geschützt werden sollte. Solche Baukörper wurden mit einer Höhe über Grund von i. d. R. 2, 40 m errichtet. Von dem Dudweiler Relikt ist nur der obere Teil mit den Sehschlitzen (Schießscharten) und dem Deckel zu sehen. Der Zugang liegt heute unter der Erdoberfläche.

 

Literatur zur Albertstraße und zum Albertschacht:

 

Zimmer, Werner, Die Grube Jägersfreude und ihre Wetterschächte auf Dudweiler Bann, Hist. Beiträge der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 10, 2008, S. 25, 32 f.; Jakobs/Sauer/Wahl, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Dudweiler Straßenlexikon, 2017, S. 30 ff.

 

Foto: H. Sauer

 


 

Dudweiler Relikte Folge 2  - Betonträger von Hydrantenschildern

 

Jeder kennt aus dem öffentlichen Raum die rechteckigen weißen, rot-umrandeten Hydrantenschilder. Sie gehören zu den sog. Hinweisschildern zu Straßeneinbauten. Sie weisen auf Unterflurhydranten, also die unter dem Straßenniveau liegenden Wasserentnahmestellen aus dem Ortswassernetz hin. Die heute genormte Größe der Schilder beträgt 25 cm × 20 cm (Vgl. Wikipedia – Suchwort „Hinweisschilder zu Straßeneinbauten“ – Recherche vom 25.02.2018). Die Schilder bezeichnen die Lage des Hydranten im Bodenbereich vor dem Schild. Dem Wikipedia-Artikel ist auch die Systematik der auf den Schildern angebrachten Informationen zu entnehmen. Gegenüber den „alten“ Schildern ist die modernere Version in Kunststoff mit Steckelementen gestaltet – die einzelnen Informationsbestandteile sind daher veränderbar.

 

Diese Schilder finden sich zu Hauf an den Pfosten von Verkehrsschildern und an Mauern, oftmals auch an alleine für diese Beschilderung errichteten Pfosten als Träger, etwa in einem Rahmen aus hell-blau gestrichenen Stahlrohren, wie sie wohl aus den 1970er Jahren erhalten sind (Foto 2 - Rehbachstraße). Historisch interessant sind allerdings nicht die Schilder selbst sondern weiterhin vorfindliche Schilderträger aus Beton, wie sie heute nicht mehr gesetzt werden. Aus vergangenen Zeiten haben sich nämlich offenbar speziell für die Hydrantenschilder typische Träger aus Beton erhalten, von denen einige wenige jedenfalls in Dudweiler noch zu sehen sind. Diese tragen auf einer schmalen Standsäule von ca. 1,20 m Höhe einen rechteckigen Schildhalter, in Art einer schlichten Kartusche, deren vertiefter Innenraum das eigentliche Schild aufnimmt. An einigen Stellen in Dudweiler finden sich solche erhabenen rechteckigen Schildhalter auch ohne Standfuß an Hauswänden oder Mauern. (Foto 1 - Scheidter Straße).

 

Von den beiden mit den Fotos 3 und 4 dokumentierten Beton-Schilderträgern, für die eine fachliche Bezeichnung von uns bisher nicht gefunden worden ist, ist der Betonträger zum ersten Foto mit seiner eher schlanken Ausformung mit Sicherheit das ältere Objekt (Straße Am Gegenortschacht vor den unter Denkmalschutz stehenden Beamtenhäusern), während der massivere Träger zum zweiten Foto (allerdings ohne das Schild) in der Gartenstraße wohl eher als Typ aus den 1950er Jahren gelten kann. Einen interessanten Anblick bietet der Träger zu Foto 5 (Im Scheuergarten).

Literatur

– zur Dudweiler Wasserversorgung: Hartmann, Erich, Wasser- und Energieversorgung in Dudweiler, in: LHS Saarbrücken – Stadtbezirk Dudweiler (Hrsg.), Dudweiler 977 – 1977, Saarbrücken 1977, S. 40; Sauer, Helmut, Dudweiler Denkmäler – Teil 1, Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 12, 2012, S. 68 ff., m. w. N.

– zu den oben erwähnten Straßen: Jakobs/Sauer/Wahl, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Dudweiler Straßenlexikon, 2017

Fotos H. Sauer

 

 


 

Dudweiler Relikte Folge 3  -  Relikte des „Kalten Krieges“

 

Bild 1 – Schild an der Beethovenstraße oberhalb der Unterführung in Höhe des Gasthauses Hierl

Vier Straßenschilder an zwei Dudweiler Brückenbauwerken sind auch heute noch nach ihrer Lastenklasse für militärische Kraftfahrzeuge der NATO (Military Load Classification; abgek. MLC) gekennzeichnet, auch wenn diese Beschilderungen bundesweit inzwischen weitgehend abgebaut worden sind. Dazu der Wikipedia-Artikel „Militärische Lastenklasse“ – Internet-Zugriff vom 22.02.2018: „Gemäß Anordnung des Bundesministeriums der Verteidigung werden die Schilder an den Straßenbrücken nach und nach abgebaut. Die neuen Länder durften aufgrund des Zwei-plus-Vier-Vertrags bis 1995 nicht beschildert werden. Dies wird bis heute beibehalten. Die MLC-Schilder sind daher im Straßenverkehr eines der letzten sichtbaren Zeichen der ehemaligen deutschen Teilung.“ In dem Artikel finden sich auch nähere Informationen über diese Beschilderung mit Beispielen.

 

Dem Pressebeitrag von Antonia Kleikamp, Kalter Krieg: Warum die Panzerschilder der Nato verschwinden, veröffentlicht am 26.11.2013, unter www.welt.de > Geschichte (Internet-Recherche vom 25.02.2018 mit dem Suchwort: MLC) ist zu entnehmen, dass nach Auskunft des Verkehrsministeriums von Nordrhein-Westfalen die MLC-Schilder auf Autobahnen bereits seit 1993 abgebaut worden seien, die Kennzeichnung allerdings erhalten bleibe, wenn ‚die militärische Lastenklasse MLC 50-50/100‘ unterschritten“ werde, „um eventuelle Schäden durch militärische Fahrzeuge zu vermeiden“.

 

Bild 2 – Brücke über den Autobahnzubringer unterhalb des Gehlenberges

Grob gesagt erlaubt das Schild zu Bild 2 mit der Begrenzung MLC 30 ein Befahren der Brücke mit Kettenfahrzeugen bis rd. 27 t und mit Radfahrzeugen bis rd. 30 t im einspurigen Verkehr, während das zu Schild zu Bild 1 bis MLC 50 mehrspurigen Verkehr und bis MLC 100 einspurigen Verkehr erlaubt.

 

Literatur zu Beethovenstraße, Gehlenberg und Gehlenbergstraße:

Jakobs/Sauer/Wahl, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Dudweiler Straßenlexikon, 2017

 

Fotos: Helmut Sauer

 


Dudweiler Relikte Folge 4  -  Historische Wellblechgarage

 

Das hier vorgestellte historische Relikt befindet sich auf dem Dudweiler Büchel und wird ungeachtet seines Alters nach wie vor bestimmungsgemäß genutzt. Derartige Stahlgaragen – sog. Wellblechgaragen – kamen Ende der 1930er Jahren vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verbreitung von Autos auf. Dazu ist der Website www.garagentest.de/geschichte.php (Recherche vom 23.03.2013) zu entnehmen, dass „der Urtyp“ mit der Flügeltür und dem typischen Bogendach, wie es dem hier eingebundenen Foto zu entnehmen ist, auch für Nutzfahrzeuge konzipiert worden sei. Der Baustoff Stahl und die kompromisslose Belassung der „Stahloptik“ (ohne die erst seit den 1960er Jahren serienmäßige Verzinkung) gewährleisteten ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Nach 1940 seien der Verknappung durch den Krieg geschuldete kostengünstigere Bauvarianten mit flachen Dächern gebaut worden. Der hier vorgestellte „Urtyp“ findet sich heute eher selten. Möglicherweise handelt es sich bei der Garage auf dem Büchel um das einzige in Dudweiler noch vorhandene Exemplar dieses Typs mit Nutzung als Garagenstellplatz.

 

Literatur zum Büchel:

Jüngst-Kipper Heidelinde/Jüngst Karl-Ludwig, Häuserchronik der Südecke des Büchel, in Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 2, 1991, S. 6 ff.; Jakobs/Sauer/Wahl, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Dudweiler Straßenlexikon, 2017

 

Foto: Helmut Sauer