Ralf Hoffmann / Hermann Schon

 

Politische Schicksale Anfang der dreißiger Jahre in Dudweiler

 

" Wer ein Emigrant ist, lernt, was eine Heimstätte bedeutet, wer die Hauslosigkeit kennengelernt hat, spürt um so tiefer, wie ein Haus beschaffen sein muß, um eine Wohnstätte für Menschen zu sein. "                                                                                                                                   Feuchtwager

in: Exil

 

Erstmalig wird in dieser Broschüre der Geschichtswerkstatt Dud­weiler die Namensliste der Personen angegeben, die Dudweiler wegen der politischen Umstände verlassen mußten, weil sie Ver­folgung oder gar den Tod wegen ihrer politischen Einstellung zum aufkommenden Nationalsozialismus in ihrer Heimat zu erwarten hatten. Das Ziel dieses Beitrages besteht darin, die "Nachweisung der Personen, die auf Grund des römischen Abkommens aus dem Bereiche des 12. Polizeireviers abgewandert sind", zu veröffentli­chen . Um die Zeitumstände zu erklären, wurde auf Beiträge von Maria Zenner, Gerhard Bungert und Franz J. Feiten zurückgegrif­fen1. Das Anliegen der Autoren besteht darin, nach der Veröffentli­chung der Namensliste im Gespräch mit den älteren Dudweiler Bürgerinnen und Bürgern alle betroffenen Personen und deren Schicksal näher zu betrachten und somit neue Informationen zu sammeln.

 

Folgende Fragen werden dann in einem zweiten Schritt beantwor­tet:

-    Wo wohnten die genannten Personen?

-    Wer stammte aus Dudweiler, wer hielt sich vorübergehend hier auf?

-    Wie groß waren die Familien?

-    Welche Personen standen der KPD nahe, welche der SPD?

-    Wie verlief der weitere Weg in Frankreich oder anderen Ländern?

 

Für einige Flüchtlinge können bereits jetzt genaue Angaben ge­macht werden, aber noch lange nicht für den gesamten Personen­kreis. Die umfassende Beantwortung dieser Fragen könnte an­hand eines Teils einer Ausstellung der Geschichtswerkstatt Dud­weiler dokumentiert werden.

 

Zunächst zu den Zeitumständen:

Maria Zenner führt an, daß die politischen Parteien an der Saar in der Zeit von 1920 bis 1935 eine bedeutende Rolle spielten, obwohl ihnen das Sonderregime nur begrenzte Entfaltungsmöglichkeiten einräumte2. Die Parteien besaßen Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit. Es gab jedoch keine politisch-staatlichen Organe, in denen die politischen Gruppen ihre Interessen vertreten konnten. Es fehlt eine saarländische Volksvertretung. Allen Parteien er­schien es wichtig, den französischen Einfluß zurückzudrängen, eine sozial-und arbeitsrechtliche Gesetzgebung an der Saar nach dem Vorbild der Weimarer Republik aufzubauen, eine demokrati­sche Volksvertretung einzurichten und die Verbindungen nach Deutschland nicht abreißen zu lassen. Von allen Parteien standen sich die Zentrumspartei , die Sozialdemokratische Partei und die Saarländische Volkspartei am nächsten. Ein Verdienst der ge­samten Parteien war die Errichtung eines saarländischen Parla­mentes, des Landesrates, dem jedoch bei den von der Regie­rungskommission vorgelegten Gesetzes nur eine beratende Funktion zukam. Die NSDAP kandidierte zum ersten Mal 1932 zum Landesrat und schnitt mit 6,7 Prozent der gültigen Stimmen und mit zwei Landesratssitzen schlecht ab. Die Kommunistische und die Zentrumspartei waren die Arbeiterparteien an der Saar­ nicht so sehr die SPD, wenn man ihre landesweiten Ergebnisse betrachtet. Der Stimmenanteil der Kommunisten stieg von 7,5 Prozent (1922) auf 23,1 Prozent (1932). Die Hochburgen der Kommunisten waren Ludweiler und Dudweiler. In Dudweiler war die politische Lage gekennzeichnet durch die Konkurrenz der Par­teien, die das saarländische System nach außen, in Berlin und Genf, repräsentierten. Von allen Parteien zeigte sich die Kommu­nistische in Dudweiler als aktivste und beherrschte dort die Straße. Nach 1920 rekrutierte sich ein Teil der kommunistischen Führer aus der Gemeinde Dudweiler, während die Zentrumspartei und die Deutsch-Saarländische Volkspartei keine entsprechen­den Kräfte aus Dudweiler stellten. Die kommunistischen Berg­leute Johann Helfgen und August Hey wurden kommunistische Abgeordnete im saarländischen Landesrat. Überlokale Bedeu­tung erlangte der Sozialdemokrat und Redakteur der "Volks­stimme", Johann Pitz. Die Weichen für die politische Entwicklung wurden in Dudweiler schon mit dem Ergebnis der Wahlen zur Wei­marer Nationalversammlung gestellt. Damals verteilten sich die Stimmen folgendermaßen:

Sozialisten:                                                               6112 Stimmen

Zentrum :                                                                  2745 Stimmen

Deutsch-Demokraten und Deutsche Volkspartei:   1542 Stimmen

 

Die Entwicklung zugunsten der Linksparteien verlief abrupt. Noch 1912 gelang es der SPD nur 304 Stimmen für den Reichstag zu si­chern. Der Zusammenbruch der Monarchie und das Ende des I. Weltkrieges bedeuteten gesamtgesellschaftlich eine enorme Zä­sur, insbesondere aber wirkte sich diese Zäsur auf das Wählerver­halten in Dudweiler aus.

Seit den Streiks der Jahre 1891 und 1892 gehörte in mancher Dudweiler Familie die Bewahrung sozialdemokratischen Gedan­kenguts zur Familientradition, wobei nach 1918 die USPD Teile der Arbeitnehmerschaft für sich gewann. An der Kremlmauer in Moskau ist der Dudweiler Oskar Hellbrück, Mitglied der USPD im Gemeinderat, beigesetzt. Er verunglückte 1921 in Rußland bei der Vorführung der Neukonstruktion einer Draisine. Sein Vater Jakob Hellbrück war in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts für die Ziele der Sozialdemokraten eingetreten. Der Bruder Karl Hellbrück und die Witwe Julie Hellbrück waren lange Zeit Mitglie­der des Dudweiler Gemeinderates.

 

Das Kräfteverhältnis zwischen Kommunistischer Partei und den Sozialdemokraten läßt sich an einer Tabelle zu den Gemeinde­ratswahlen ablesen:

 

           Kommunisten/USPD          Sozialdemokraten

1920          43,6 %                                    18,0 %

1923          30,4 %                                     16,5 %

1926          44,6 %                                     14,0 % 

1927          49,6 %                                        7,1 %

1929          42,5 %                                      10,0 %

1932          49,7 %                                        7,5 %

1933          44,8 %                                        6,7 %

 

 

Eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die aufgezeigte Ent­wicklung war der Umstand, daß Dudweiler zu 42 Prozent evange­lisch war und eine politische Bindung an die Zentrumspartei für eine große Zahl von Arbeitnehmern unmöglich war. Kommunal­wahlen waren und sind oft Persönlichkeitswahlen. Die Dudweiler Kommunisten entstammten angesehenen Arbeiterfamilien, die ein eigenes Haus hatten und seit den neunziger Jahren für die Be­lange der Arbeiter eintraten. Den Erfolg der Linksparteien ver­suchten die Zentrumspartei, die Liberalen und die Deutschnatio­nalen mit enger Zusammenarbeit zu begegnen: 1923 kandidierte nur die liberale Volkspartei und die Zentrumspartei. Von 1923 bis 1926 gelang es den bürgerlichen Parteien, die Mehrheit im Ge­meinderat zu erlangen. 1927, 1929, 1932 und 1933 schlossen sich die bürgerlichen Parteien und das Zentrum zur "Bürgerver­einigung" zusammen, der es jedoch nicht gelang, nochmals die Wähler bei den Kommunalwahlen für ihre Ziele zu gewinnen.

Die Kommunistische Partei sah in der Machtergreifung Hitlers eine unmittelbare Voraussetzung zur Sozialistischen Revolution3. "Für die Zusammenarbeit mit den Kommunisten bestanden trotz der Verfolgungen, die die Kommunisten und Sozialdemokraten durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland erfuhren, und trotz der Tatsache, daß kommunistische und sozialdemokrati­sche Emigranten an die Saar kamen und ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus von hier aus weiterzuführen versuchten, keine günstigen Voraussetzungen"4. Die Kommunisten verfolgten in der Endphase der Weimarer Republik eine ultralinke Taktik und betrachteten die Sozialdemokraten als Verräter an der Sache der Arbeiterschaft. Die Sozialdemokraten agierten mit der Losung:

"Für Deutschland - gegen Hitler."


Hingegen kam es an der Saar zur Bildung einer gemeinsamen "Freiheitsfront" von Kommunisten und Sozialdemokraten, deren Programm im Eintreten für den Status Quo und in der Wiederho­lung der Saarabstimmung zu einem späteren Zeitpunkt nach dem Ende des Nationalsozialismus bestand. In Dudweiler war das Ver­hältnis zwischen Linksparteien lange Zeit ein gutes gewesen. Trotz einer Phase der Konfrontation in der Zeit von 1929 bis 1933 gab es eine gemeinsame Basis, um zu einer "Sozialistischen Frei­heitsaktion" an der Saar aufzurufen, die der Sozialdemokrat Karl Bender und der Kommunist August Hey initiierten. Am 5. Oktober 1933 schlossen sich die KPD und die SPD in Dudweiler zu einer Einheitsfront zusammen. Das Ergebnis der Volksabstimmung lau­tete am 13. Januar 1935:

14483 Stimmen     für die Rückgliederung

    66 Stimmen       für die Angliederung an Frankreich

 2129 Stimmen      für die Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandes

 

Zwar fiel das Dudweiler Ergebnis im Vergleich zum Gesamtlan­desdurchschnitt, der bei 90 Prozent lag, mit 86, 84 Prozent gerin­ger aus, es war jedoch ein deutlicher Hinweis dafür, "daß die Ar­beiterschaft der Entscheidung der kommunistisch-sozialistischen "Einheitsfront" nur begrenzt gefolgt war"5.

Die nationalen Gefühle der Wählerschaft, entfacht nach dem Motto "Deutsche Mutter heim zu Dir!", waren letztlich stärker als die Kraft der politischen Ideen, die die Linksparteien progagierten.

Dudweiler wurde zu Beginn des III. Reiches zum Fluchtziel für viele von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen. Unter die­sen waren unter anderem die Schriftsteller Hans Marchwitza, der gebürtige Saarländer Gustav Regler und der Arbeiterdichter Erich Weinert sowie auch Theodor Balk, der das Buch "Hier spricht die Saar" schrieb. Balk schrieb 1934 über Dudweiler: "Dudweiler ist eigentlich keine Stadt. Es ist eine Landgemeinde. Trotz seiner 26.000 Einwohner. Die größte Landgemeinde Preußens . . . Das rote Dudweiler soll neuerdings eine deutsch-frontlerische Hoch­burg geworden sein."6.

Theodor Balk unterhielt sich mit einem kommunistischen Stadt­verordneten, der ihm von der absoluten Mehrheit der Kommunisti­schen Partei im Jahre 1927 in Dudweiler erzählte: "Wir hatten 1927 . .. 19 von 36 Sitzen. Unser Bürgermeister wurde durch die Regierungskommission nicht bestätigt. Man setzte uns einen kommissarischen Bürgermeister ein".7

Der kommissarische Bürgermeister schilderte Theodor Balk sein Verhältnis zu den Kommunisten: "Ich kam mit den Herren ganz gut aus. Sie bewilligten mir alles. Wir haben viel geleistet. 400 Wohnungen gebaut, 20 Kilometer ROhrleitungen gelegt. Das Wasserwerk ohne Anleihen erweitert. Ich schätze die Kosten auf 800.000 Franken. Das Licht- und Luftbad errichtet . . . Den Schlachthof vollkommen modernisiert. Die Müllabfuhr eingerich­tet. Zwei Autos für die Feuerwehr beschafft. Die Volksbibliothek großzügig erweitert.8

 

Theodor Balk besuchte das Büro der Einheitsfront in Dudweiler. Dort erfuhr er, daß die Deutsche Front eine Wahlmanipulation im großen Stil plante9. Bereits verstorbene Bürger erschienen auf der Liste der Deutschen Front. Eine Ehefrau befand sich gleich dreimal auf der Liste. Verschiedene angeblich Abstimmungsbe­rechtigte waren unter Hausnummern eingetragen, die es über­haupt nicht gab usw. Balk informierte sich über die Lage in Dud­weiler: er ging in die Lungenhäuser, Wirtschaften und Öffentlichen Gebäude, um mit den Menschen zu reden.  

Wie ätzend die Propaganda der Nationalsozialisten in Dudweiler war, zeigte ein kleiner Skandal in Herrensohr aus dem Jahr 1934. Die Kommunistische Partei hatte in Herrensohr eine Wirtschaft gemietet und das Büro der Deutschen Front, die diese Wirtschaft voher belegt hatte, mußte geräumt werden. Dazu schrieb der Pro­pagandaleiter der NSDAP in der Dudweiler Zeitung:

 

"Etliche aus Deutschland verduftete arbeitsscheue oder krimi­nelle Elemente in Verbindung mit einem kläglichen Rest meist aus lichtscheuen Gesellen bestehende Einheitsfront gab es auch hier (in Herrensohr, Anmerk. d. Verf.), wie es ja überall unter anständi­gen Menschen einen gewissen Prozentsatz verbrecherisch ver­anlagter Auch-Menschen gibt. Ihre Mentalität ergibt sich aus ihren Vorstrafen, denn es scheint, um überhaupt noch in der Gemein­schaft der Einheitsfront aufgenommen zu werden, man minde­stens mit einem kriminellen Delikt aufwarten muß, sei es nun ein Sittlichkeitsverbrechen oder sei es sonst was . . . Solche Men­schen und noch einige dieses Auswurfs stellen bei uns die Frei­-Saar dar"10.

 

Die Propaganda und die Provokationen führten dazu, daß es zu harten Auseinandersetzungen zwischen den Gegnern kam, wo­bei Verletzte auf beiden Seiten vorzufinden waren.

Am 13. Januar 1935 war Dudweiler rot beflaggt. Allerdings waren die roten Flaggen mit dem Hakenkreuz versehen. Theodor Balk, wie auch viele Bürgerinnen und Bürger aus Dudweiler mußten flie­hen. Balk wurde Arzt im Spanischen Bürgerkrieg, geriet in ein fran­zösisches Internierungslager, emigrierte nach Mexiko und später nach Jugoslawien, seine einstige Heimat, um von dort aus nach Prag auszuwandern.11 Feiten führte an, daß 200 Personen Dudweiler verlassen muß­ten12. Hier muß mit einer viel größeren Zahl gerechnet werden, weil die Ehepaare ihre Kinder oder sogar sonstige Verwandten mitnah­men. Die Garantie für die Emigranten lief am 29. Februar 1936 aus (Frist für das römische Abkommen).

 

Die Dudweiler Zeitung kommentierte die Flucht der Emmigranten folgendermaßen:

 

"Das Matz Braunsche Büro in der hiesigen Bahnhofstraße hat ein­gepackt und bei Nacht und Nebel seien Sachen abgefahren. Ebenso verhält es sich mit den Profitkommunisten August Hey, den man seit Montag nicht mehr zu Gesicht bekommt. (Er war frei­lich einer der drei Kommunisten, die noch der Festsitzung am 6. Februar beiwohnten, d. Verf.). Ferner hat der Verwaltungs-Ober­sekretär Ernst Kunkel (SPD), der Fälscher der Abstimmungsein­sprüche, Dudweiler seit Dienstag verlassen, ... Der Lügen- und Greuelmärchenpropagandist der Kommunisten, Fritz Nickoley, der angebliche Märtyrer von Dachau, hat Dudweiler bei Nacht und Nebel verlassen ... Der rote und separatistische Spuk (!) ist in Dudweiler endgültig vorbei . . . "13.

 

Am Schluß dieses Beitrages folgt die Liste der Bürger, die aus Dudweiler flüchteten, weil sie um ihr Leben fürchteten! Die Liste verzeichnet drei jüdische Emigranten. Fast ausnahmslos handelte es sich also um politisch Verfolgte, die im Ausland ein völlig ungewisses Leben mit vielen Entbehrungen erwartete. Es ist auf den ersten Blick erstaunlich, daß die Flüchtlinge sehr häufig aus der Arbeiterklasse stammen. Weder findet man auf der Liste höhere Beamte noch Interlektuelle oder Künstler bzw. Leh­rer. In Dudweiler waren die soziologischen Verhältnisse eben so, daß sich die Flüchtenden aus den Reihen der Arbeiter rekrutierten. Die laufenden Nummern der Liste werden an zwei Stellen von den Po­lizeibeamten falsch gezählt. Die Lesbarkeit einiger Namen läßt zu wünschen übrig. Die Liste führt 198 Personen an. In Wirklichkeit sind jedoch bedeutend mehr Menschen von Dudweiler aus ge­flüchtet. Flüchtende Kinder fehlen, denn die Ehepaare hatten ge­wiß ihre Kinder und Verwandte mitgenommen. Somit sind vor dem Nazi-Terror nicht knapp 200 Personen, sondern einige hundert Menschen emigriert. Jeder Flüchtling hatte ein eigenes Schicksal. Neben August Hey, der nach Kriegsende Bürgermeister in Dud­weiier wurde, und Heinrich Holzer sowie Fritz Nickoley, Fried Hey und Walter Hellbrück ist August Weiter zu nennen, der sich als Sohn eines Bergmanns recht früh für die kommunistischen Ideen begeisterte. Er wurde Mitglied der Gewerkschaft und des KJVD (Kommunistischen Jugendverband Deutschlands) war seit 1927 in der KPD. Jakob Weiter organisierte nach 1933 die Rote Hilfe im Saargebiet. Nachbarn haben ihn im November 1934 verraten. Er wurde überführt, Flugblätter für die kommunistische Propaganda zu drucken und wegen "Verhetzung" angeklagt. Ab 1935 arbei­tete Jakob Weiter für das ZK der KPD in Schweden, von wo aus er illegales Material nach Deutschland einschleuste14. Nach der Flucht aus einem Internierungslager war er in den Niederlanden und 1942 in Deutschland für die KPD aktiv. Im Januar 1943 wurde Jakob Weiter in Dudweiler verhaftet und am 22. Februar 1944 vom OLG Stuttgart wegen "Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Feindbegüngstigung zum Tode" verurteilt. Der Abschiedsbrief vom Vorabend seiner Hinrichtung ist erhalten. Mit einem Auszug aus diesem Brief soll dieser Beitrag abschließen:

 

Liebste Henny und Sohn! Liebe Eltern und Geschwister!

 

Wenn Ihr diesen Brief erhaltet, bin ich nicht mehr. Heute Abend wurde mir plötzlich mitgeteilt, daß das Gnadengesuch abgelehnt wurde und das Urteil morgen früh um 5.00 Uhr vollstreckt wird. Ob­wohl ich die letzte Zeit etwas mehr Hoffnung hatte, daß durch die Bemühungen der Brüder noch die Chance zur Rettung gegeben ist, habe ich die Eröffnung mit allergrößter Ruhe zur Kenntnis genommen. Meine Hoffnung, die ich nach der Verurteilung noch hatte, war ja auch weniger auf eine Begnadigung begründet, sondern darauf, daß die Entscheidung noch so lange hinausgezogen wird, daß durch die Entwicklung des Krieges eine Änderung ein­treten konnte. Nun ist die Entscheidung von dieser Seite schneller gekommen, und daran ist eben nichts mehr zu ändern. Die Tragik, jung sterben zu müssen, erschüttert mich nicht weiter. Damit habe ich mich schon lange abgefunden. Es sind ja Millionen junger Menschen, die denselben Weg gehen mußten, ohne so viel vom Leben gehabt zu haben. Wie viele müssen denselben unnatürli­chen Weg noch gehen? .. ."14.

 

 

Quelle:

"Nachweisung der Personen, die auf Grund des römischen Abkommens aus dem Bereiche des 12. Polizeireviers abgewandert sind." Polizeiakte der ehemaligen Gemeindeverwaltung 1935. Archiv der Bezirksverwaltung, Dudweiler.

 

 

Literatur:

1   a: Für die Parteien in Dudweiler und im Saarland: Vgl. Zenner, Maria, Die Bedeutung der politi­schen Parteien,

     In: 1000 Jahre Dudweiler 977 -1977, Hrsg. v. Landeshauptstadt Saarbrüc­ken, Stadtbezirk Dudweiler. Saarbrücken 1977,

     S. 377-398 (= 1000 Jahre Dudweiler).

     b: Vgl. Bungert, Gerhard, Die Rückgliederung ans Deutsche Reich, ebd. S. 397-405.

     c: Vgl. Feiten, Franz J., Die Herrschaft des Nationalsozialismus, ebd. S. 405-441.

2. Vg l. Zenner, ebd. S. 337.

3. Vgl. Zenner, ebd. S. 388.

4. Zenner, ebd. S. 388.

5. Zenner, ebd. S. 389.

6. Bungert, ebd. S. 399.

7. Bungert, ebd . S. 399.

8. Bungert, ebd. S. 399.

9. Vgl. Bungert, ebd. S. 400.

10. Bungert, ebd. S. 400.

11. Vgl. Bungert, ebd. S. 405.

12. Vgl. Feiten, ebd. S. 417.

13. Vgl. Feiten, ebd. S. 417 f.

14. Feiten, ebd. S. 427 f.



 


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