Werner Arend / August Eifler

 

Das Postwesen in Dudweiler und Herrensohr im 19. und 20. Jahrhundert

 

Befaßt man sich mit der Geschichte des Postamts in Dudweiler et­was näher, wird man sehr schnell erkennen, daß es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenig Hinweise auf ein Postwesen im Sulzbachtal gibt und daß ein Postamt als Bestandteil eines größe­ren Verkehrs-und Nachrichtennetzes nicht völlig isoliert gesehen werden darf. In allen Jahrhunderten entwickelte sich dort, wo viele Menschen zusammenkamen, recht bald ein reges Leben und wirt­schaftliche Betriebsamkeit. Doch das bis zum 19. Jahrhundert recht dünn besiedelte Saarland wurde wohl seit römischen Zeiten von großen Verkehrswegen tangiert, blieb aber weitgehend uner­schlossen. Eine bis dahin "geradezu tote Region", wie der Hei­matforscher H. J. Becker dies in seinen Aufzeichnungen fest­stellte.

Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg und seinen Folgekriegen wurden die Dörfer im Sulzbachtal und so auch Dudweiler wieder aufgebaut. Hier liegt somit der Ursprung des heutigen Dudweiler. Aber postalisch gesehen blieb dieser Ort weitgehend völlig unbe­deutend. Soweit man in dieser Zeit die Post in Anspruch nehmen wollte, war man auf die Posthalterei in Saarbrücken angewiesen, zumal die Westricher Postroute durch das Scheidtertal führte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde dann eine Postverbindung Saarbrücken-Ottweiler eingerichtet, die beide Residenzen ver­band und die Straße durch Dudweiler benutzte.

In der Ortschronik von Prof. Ruppersberg wird die „Post" zum er­sten Mal im Jahre 171 3 erwähnt. In diesem Jahre soll nach amtli­chen Unterlagen eine Landstraße von Dudweiler nach Ottweiler für den Postbetrieb instandgesetzt worden sein. Der Postwagen verkehrte höchstens einmal in der Woche. In einem 1754 "bey Jo­hann Mengert in Saarbrücken gedruckten Verzeichnüß Zu weilchen Tagen und Stunden die Kayserl. Reichs-Posten in der Fürstl. Residentz-Stadt Saarbrücken ankommen, und abgehen" ist diese Postverbindung zwischen den beiden Residenzstädten nicht mehr aufgeführt. In den Jahren danach waren auch in Dudweiler Botengänger ein­gesetzt, die im herrschaftlichen Dienst tätig ihren Lohn jedoch aus der Gemeindekasse erhielten, wie dies in den Dudweiler Dorf­rechnungen von 1768, 1769 und 1790 verzeichnet ist. Mit Hilfe dieser amtlichen Post-Boten wurde der Anschluß an die Hauptverkehrsverbindungen hergestellt. In welchem Umfang die Dienste der Post von Dudweiler Einwoh­nern zu jener Zeit in Anspruch genommen wurden, ist leider nicht nachvollziehbar. Wenn das Briefeschreiben schon keine alltägli­che Sache war, wieviel weniger konnte sich jemand eine längere Postkutschenreise leisten.

In der Saarbrücker Landeszeitung Nr. 192 vom 19. Juli 1927 schil­derte der damalige Stadtarchivar Prof. Ruppersberg eine Dienst­reise des Saarbrücker Stadtschreibers Benz von Saarbrücken nach Wetzlar im Jahre 1719. Die "Reise-und Unkosten-Specifica­tion", die sich im Stadtarchiv befindet, weist für die 51/2 Tage dau­ernde Reise einen Gesamtunkostenbeitrag von 69 Gulden, 12 Al­bus und 6 Pfennige Saarbrücker Währung auf, die nach dem Geldwert von 1927 auf etwa 500 Mark anzusetzen war. Man sieht an diesem Beispiel, daß das Reisen vor 270 Jahren sehr teuer und sehr beschwerlich war.

Nach der Französischen Revolution wurde 1792 das Fürstentum Saarbrücken und damit auch Dudweiler dem "Departement da la Moselle" angegliedert. Die ganze Region wurde an das gut ausge­baute französische Postnetz angeschlossen und in die Postver­hältnisse des Departements einbezogen. Während Dudweiler auch hier postalisch nicht in Erscheinung trat, wurde in Friedrichsthal ein Postrelais (Magazin und Pferdehalte­rei) eingerichtet, die einzige Pferdewechselstation im Sulzbachtal. Die Hauptstrecke Paris-Saarbrücken-Mainz führte wegen der schlechten Straßenverhältnisse über Rohrbach, also am Sulz­bachtal vorbei. Die Fürstliche-Taxissche Post, die 1814 bis 1816 wieder den Postdienst übernahm, änderte nichts an den Strecken­führungen. Erst als 1816 die Gebiete um St. Ingbert, Rohrbach, Homburg und Blieskastel an Bayern fielen und im Raum Saar­brücken die Königlich-Preußische Post ihre Postanstalten einrich­tete, fand auch das Sulzbachtal mehr Beachtung, um als Weg­strecke für eine Verbindung Saarbrücken-Kreuznach-Mainz zu dienen. Bereits 1817, und zwar ab 1. Mai, konnte man die Strecke Saarbrücken-Ottweiler mit einer Postkarriole bereisen. Und ab 1. Ja­nuar 1832 verkehrte dann über diese Strecke eine "Kgl. Preußische und fürstl. Thurn- und- Taxissche Fahrpost" bis nach Kreuz­nach mit Anschlüssen nach Bingen, Koblenz und Mainz. Doch nach wie vor mußten sich die Bewohner von Dudweiler bei Post­geschäften nach Saarbrücken begeben. Der Generalpostmeister Nagler ließ ab 1824 in den preußischen Gebieten die ersten Brief­kästen aufstellen. Ob vor der Einrichtung des ersten Dudweiler Postamts bereits ein amtlicher Briefkasten aufgestellt worden ist, läßt sich leider nicht feststellen.

Am 1. Oktober 1858 war es dann endlich soweit. Dudweiler mit seinen rund 4.900 Einwohnern erhielt sein erstes Postamt, das in dem Wohngebäude Wilhelmstraße Nr. 15 eingerichtet wurde, nachdem der Dudweiler Ortsteil Sulzbach wie alle größeren Ei­senbahnorte schon seit 1852 über ein "Eisenbahn-Postbüreau" verfügte. Die Dudweiler Postexpedition, wie die offizielle Bezeichnung lau­tete, hatte als ersten Leiter den Eisenbahnstationsvorsteher Mi­row. Wie viel Räume und wie viel weitere Dienstkräfte zur Verfü­gung standen, wie lange Mirow als Postexpediteur eingesetzt war und ob es Nachfolger gibt, ist nicht mehr feststellbar.

Bis 1875 hatte sich die Einwohnerzahl von Dudweiler verdoppelt. Das führte unweigerlich zu Personalvermehrungen bei der Postanstalt. Die mittlerweile für das Deutsche Reich zuständige Kai­serliche Reichspost verfügte die Anmietung von besser geeigne­ten Räumen für das Postamt Dudweiler. 1880 bezog man die Postdiensträume im Anwesen Bahnhofstraße Nr. 18. Die Nähe des Bahnhofs war günstig für die Postversande. Leiter der Postan­stalt war Postverwalter Berens, dem weitere 7 Bedienstete unter­stellt waren.

Bereits 1874 war für die Postämter die Führung von Postchroni­ken amtlich angeordnet worden, so daß man über die folgenden Jahre bessere Informationen besitzt, wenn auch viele Unterlagen durch Kriegsereignisse, Zuständigkeitswechsel und Entrümpelungsaktionen verloren gingen. Das „Postamt 111. KI. Dudweiler“ be­saß zu dieser Zeit eine Telegraphenbetriebsstelie mit einem Ap­parat. Mehrmals täglich gab es Posteingänge und Postabgänge sowohl über die Landstraße wie mit der Eisenbahn. Die Postver­sorgung umfaßte Dudweiler , die "Colonie" Herrensohr sowie den zur Dudweiler Gemeinde gehörende Teil von Jägersfreude. Nach­dem anfangs nur ein Briefkasten aufgestellt war, gab es im ge­samten Ortszustellbereich bald fünf. In der Zeit von 7.30 Uhr bis

22.00 Uhr wurde die eingehende Post in vier Zustellgängen zuge­stellt.

Anfang 1886 wurde der Postbetrieb erneut verlegt, und zwar von der Bahnhofstraße in das Gebäude Brückenstraße 19. Laut Aufzeichnungen des Postamts wurden 1891 die Diensträume in der Nacht von einem "wachsamen Haushund" bewacht, da kein Nachtdienst eingerichtet und kein Nachtwächter vorhanden war.

 

Der Postverwalter Berens verweigerte laut Polizeibericht vom 29. 7. 1891 die Zahlung der Hundesteuer. Mit Schreiben des Bür­germeisters vom 19.11.1891 wurde daraufhin dem Postamt Dud­weiler die Hundesteuer erlassen. Im Jahre 1894 warten laut Auf­zeichnungen in Dudweiler bereits 7 Amtliche Verkaufsstellen für Postwertzeichen vorhanden, beim Postamt zu dieser Zeit 3 Be­amte und 4 Unterbeamte tätig. Im Februar 1895 wurde gemäß An­ordnung das erste Kassentagebuch angelegt. Starke Geburts­jahrgänge wie auch die ständige Zuwanderung neuer Familien ließ die Einwohnerzahl ständig steigen. Da die topographischen Verhältnisse eine größere dichte Bebauung im Ortskern nicht zu­ließen, erschien das Ortsbild bald wie eine große Spinne mit lan­gen bebauten Straßen bis auf die umliegenden Höhen. Das Post­amt hatte nicht die von der Reichspost gewünschte zentrale Lage, andererseits war eine möglichst nahe Verbindung zu Bahnhof er­wünscht. Es sollte jedoch noch eine größere Zeitspanne ver­gehen, bis die Neueinrichtung eines Postamtes konkrete Formen annahm.

Im Frühjahr des Jahres 1900 sorgte dann die Post in Dudweiler für Schlagzeilen in der Dudweiler Zeitung. Ein am 19. März 1900 in Berlin aufgegebenes Paket für den Verlag "Dudweiler Zeitung" hatte am 22. März noch nicht den Bestimmungsort erreicht. Es handelte sich um die Ziehungslisten der Preußischen Lotterie. "Nette Zustände herrschen im Postverkehr" beschrieb diesen Mißstand die in vielen Dudweiler Haushaltungen gelesene Zei­tung.

In Herrensohr war die gleiche Zunahme an Einwohnern zu ver­zeichnen wie in Dudweiler. Bereits 1890, und zwar für die Zeit vom

18. bis 27. September, war in einer Übersicht festgehalten worden, wie viele Postsendungen nach der "Colonie Herrensohr" bestellt wurden:         674 gewöhnliche Briefe und Postkarten

49 Pakete

30 Postanweisungen

190 Zeitungsexemplare.

Die Bediensteten des Postamtes Dudweiler konnten den Dienst nur mit größtem Einsatz bewältigen. Laut Schreiben vom 8. No­vember 1899 leisteten die Beamten im Durchschnitt 63 Dienst­stunden und die Unterbeamten im Durchschnitt 87 Dienststunden wöchentlich. Der Sonntagsdienst war so geregelt, daß abwech­selnd je ein Unterbeamter jeden fünften Sonntag dienstfrei hatte.

Die Bewohner von Herrensohr beschwerten sich bei der damali­gen Oberpostdirektion Trier darüber, daß in ihrem Wohngebiet keine PostdienststeIle vorhanden sei und wünschten die Eröff­nung einer Postagentur. Mit Schreiben vom 3. März 1903 bewarb sich ein Bewohner namens C. Braun um die Stelle eines Posta­genten. Das Gesuch wurde durch die Oberpostdirektion Trier mit Schreiben vom 6. März 1903 abgelehnt. Der Inhalt des Schrei­bens lautete: "Es ist zur Zeit nicht beabsichtigt, in Herrensohr eine Postagentur einzurichten. Sofern später eine derartige Einrich­tung getroffen werden sollte, wird Ihr Gesuch um Übertragung der PostagentensteIle geprüft werden."

Die Leitung des Dudweiler Postamts blieb bis zum 19. Mai 1905 in Händen des Postverwalters Berens. Für kurze Zeit übernahm dann der Postassistent Heinke das Amt, bis der neue Postverwal­ter Bell am 7. November 1905 die Amtsleitung übernahm.

33 Im darauffolgenden Jahr hatten die Herrensohrer dann endlich er­reicht, daß es auch bei ihnen eine Post gab. Die Postagentur wurde am 16. Juli 1906 eingerichtet, die Dienstgeschäfte übertrug man der Witwe des inzwischen verstorbenen Postverwalters Berens. Für den immer mehr zunehmenden Postbetrieb reichten die ange­mieteten Diensträume des Postamts Dudweiler in der Brücken­straße nicht mehr aus. Mittlerweile war der Fernsprechdienst 1898 auch in Dudweiler installiert. Eine Öffentliche Sprechstelle befand sich beim Postamt. Die Dudweiler Zeitung nahm sich der Übel­stände beim Postamt an und berichtete am 2. Oktober 1905 dar­über. In dem Artikel wurde unter anderem aufgeführt: " . . . Ein an­derer Übelstand verdient hier noch erwähnt zu werden: der ein­zige auf hiesigem Postamt befindliche Schalter ist viel zu klein und entspricht dem Bedürfnisse in keiner Weise; ein zweiter Schalter tut unbedingt not, wie das lange Warten und Drängen täglich be­weist. In den ersten Tagen des Monats werden die Renten an dem einzigen Schalter ausbezahlt; alsdann ist die Entnahme von Wert­zeichen, Aufgabe von Telegrammen usw. geradezu unmöglich, wenn man nicht sehr geraume Zeit warten will. Läßt sich die Her­richtung eines zweiten Schalters nicht ermöglichen, so richte man mehrere Postabfertigungsstellen ein; ein zwei Kilometer ausge­dehnter Ort mit 18.000 Seelen dürfte dies verlangen können. Hof­fentlich hat die Postbehörde ein Einsehen und hilft den beregten Übelständen ab; des Dankes der ganzen Gemeinde würde sie si­cher sein." Und die Reichspost hatte ein Einsehen. Bereits im glei­chen Jahr begannen die Verhandlungen mit der Gemeinde wegen der Errichtung eines neuen Postgebäudes am Marktplatz.

Der Gemeinderat lehnte mit 9 Stimmen gegen 6 Stimmen den An­trag der Reichspost ab. Eine Entscheidung, die uns heute unver­ständlich erscheint.

Es dauerte dann immerhin noch vier Jahre, ehe 1909 die Ge­meinde ein für 40.000 Mark in der Provinzialstraße (heute Saar­brücker Straße) errichtetes Postgebäude an die Reichspost ver­mieten konnte.

 

Der von der Post gewünschte zentrale Standort war es allerdings nicht. Aber das Postamt hat dort immer noch seinen Sitz, wenn das Gebäude auch durch Um- und Anbauten verändert wurde. Zu dieser Zeit zählte man in Dudweiler bereits 19.578 Einwohner.

Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 brachten auch im Postbetrieb von Dudweiler gravierende Änderungen. Fast das gesamte Personal wurde zum Heeresdienst einberufen und dafür Aushilfskräfte ein­gestellt, darunter auch Frauen. Nach dem Waffenstillstand wurde das Saargebiet von französischen Truppen besetzt, die Postan­stalten kamen vorübergehend unter französische Verwaltung, bis nach Unterzeichnung des Friedensvertrages eine Oberpostdirek­tion Saarbrücken, die der Regierungskommission des Saargebie­tes unterstellt war, für den gesamten Postbetrieb verantwortlich­ zeichnete.

 

1927 wurde im Saargebiet der Selbstwähldienst eingeführt, und 1933 konnten dann auch die Fernsprechteilnehmer von Dudwei­ler, die dem Ortsfernsprechnetz Sulzbach angeschlossen waren, mit Saarbrücker, Sulzbacher und Neunkircher Fernsprechteilneh­mern ohne "Fräulein vom Amt" sprechen.

Mit der Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich am 1. März 1935 blieb die bisherige Oberpostdirektion in ihrer Struktur erhalten, erhielt allerdings die Bezeichnung Reichspost­direktion. Zu dieser Zeit waren beim Postamt Dudweiler 14 Be­amte und 11 Postfacharbeiter beschäftigt.

Der Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 brachte für das Postamt Dudweiler erneut große Veränderungen. Bei der Evakuierung wurde auch Herrensohr geräumt, die Poststelle aufgeho­ben. Truppenmassierungen und zahlreiche Firmen, die am Westwall bau beteiligt waren, beanspruchten die Dienste der Post. Die für kriegswichtige Einrichtungen weiter bestehenden Poststellen in Saarbrücken, Luisenthal, Völklingen, Bous, Dillingen, Beckin­gen, Merzig und Mettlach wurden dem Postamt Dudweiler unter­stellt. Da die Räume nicht ausreichten, mußten zwei weitere Räume angemietet werden. Zeitweise waren 90 Dienstkräfte hier beschäftigt. Nach Rückkehr der evakuierten Bevölkerung normali­sierten sich dann wieder die Verhältnisse. Im Jahre 1942 betrug die Zahl der Bediensteten 27 weibliche und 9 männliche betriebs­fremde Kräfte. Im gleichen Jahr wurde der Kraftfahrzeugbetrieb im Dudweiler Bereich eingestellt. Die Postversorgung der wieder eröffneten Poststelle Herrensohr übernahm ein Pferdefuhrwerk. Trotz eines in der Nähe abgestürzten Bombers blieb das Post­amtsgebäude unversehrt.

Bis zur Besetzung durch amerikanische Truppen am 23. März 1945 wurde der Dienstbetrieb beim Postamt aufrechterhalten. Die Fernsprechanlage wurde durch Amerikaner zerstört, Fahrzeuge und Briefmarken beschlagnahmt. Nachdem die Amerikaner von französischen Truppen am 10. Juli 1945 abgelöst worden waren, wurde der Dienstbetrieb beim Postamt Dudweiler ab 1. August 1945 wieder aufgenommen, vorerst allerdings nur für Behörden.

Ab 1. Oktober 1945 gab es wieder einen Rentendienst, im Bereich der französischen Besatzungszone wurden Postkarten als erste Briefsendungen zugelassen, später kamen Briefe und Pakete hinzu, auch für die britische und amerikanische Zone.

Die Arbeitsabläufe normalisierten sich langsam. Das Postamt hatte wieder 22 Beschäftigte. Allerdings fehlte immer noch ein Kraftfahrzeug. Die Transporte von und zum Bahnhof wie auch die Paketzustellung erfolgten mit einem Handkarren. Eine beschwerliche und umständliche Arbeitsweise, die an Sicherheit und Schnelligkeit viel zu wünschen übrig ließ. Vom 24. September 1951 ab stand dann endlich wieder ein Kraftfahrzeug zur Verfü­gung.

Durch die notwendigen Erweiterungen der Wählereinrichtungen für den Fernsprechdienst waren die zur Verfügung stehenden Diensträume nicht mehr ausreichend. Zahlreiche Anträge auf Ein­richtung eines Fernsprechanschlusses konnten nicht befriedigt werden. Nachdem Ende 1952 auch der Mietvertrag zwischen der Post-und Telegrafenverwaltung des Saarlandes und der Ge­meinde Dudweiler abgelaufen war, wurde das Gebäude von der Post für 7 Millionen Franken erworben. Als nach langen Verhand­lungen auch das angrenzende Teilgrundstück (Gaststätte mit Saal) der Erbengemeinschaft Riedschy zum Preis von 6,2 Millio­nen Franken gekauft werden konnte, stand einem großzügigen Umbau nichts mehr im Wege. Lediglich die vorübergehende Un­terbringung des Betriebes war noch zu klären. Während die Fern­sprecheinrichtungen in Betrieb bleiben mußten und nur stück­weise verändert werden konnten, fand der Postbetrieb in der ehe­maligen Kriegsgefangenenbaracke auf dem Bauhofgelände in der Stadtmitte ein Ausweichquartier. Der Umbau dauerte fast drei Jahre, ehe sich das Postamt in moderner Ausstattung mit ausrei­chenden Schalterplätzen und dem Verkehrsumfang angepaßten Räumen darbot. Am 1. Januar 1960 verlor das Postamt Dudweiler seine Selbständigkeit und wurde dem Postamt Saarbrücken un­terstellt. Eine verwaltungsinterne Neugliederung für den gesam­ten Bereich der Bundespost, die ohne Auswirkungen auf den Postservice blieb.

 

Die Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik hatte im Bereich der Post wieder einen starken Verkehrszuwachs zu verzeichnen. 1969 wurde daher, um dem gestiegenen Raumbedarf Rechnung zu tragen, mit den Arbeiten zu einem Erweiterungsbau

begonnen. Das bisherige Postamt wurde erneut umgebaut und in den Neubau integriert.

Mit der baulichen Ausdehnung in den 50er Jahren wurde auch in Dudweiler-Süd der Bedarf für ein Annahme-Postamt erkennbar. In der Lisbeth-DiII-Straße, in der sich ein kleines Geschäftszen­trum entwickelt hatte, fand auch das neue Annahmepostamt Dud­weiler 3 einen geeigneten Standort.

Die Postzustellung in Dudweiler, Herrensohr und im Dudweiler Teil von Jägersfreude erfolgt immer noch vom Postamt Dudweiler 1 in der Saarbrücker Straße aus. Über 40 Bedienstete sind heute dort beschäftigt. Zahlreiche Wechsel gab es in der Amtsleitung seit 1905.

 

Doch in der 131-jährigen Geschichte des Postamts Dud­weiler ist jetzt erstmals eine Frau als Leiterin eingesetzt.

 

 Quellennachweis:

 

 

 

Postgeschichtliche Aufzeichnungen des Postamts Dudweiler (Saar). 

Postgeschichtliche Blätter der Oberpostdirektion Saarbrücken; Archiv für deutsche Postgeschichte.

H.J. Becker; Durch zwei Jahrtausende saarländischer Verkehrsgeschichte"

Ernst Pitz; "Drehscheibe des Verkehrs".

 Ernst Schilly; "Die verkehrstechnische Erschließung des Sulzbachtals" .

 A. Ruppersberg; "Geschichte der Gemeinde Dudweiler"

 


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