Friedrich Meier

 

Beiträge zur Dudweiler Topographie

Markante Häuser in der Saarbrücker Straße und ihre Geschichte

 

Wenn die Heimatgeschichte eines Ortes erforscht und erzählt werden soll, so müssen neben den Menschen und ihren Lebens­gewohnheiten in früherer Zeit vor allem auch die sichtbaren Werke erwähnt werden, die unsere Vorfahren geschaffen und hinterlas­sen haben. Vorrangig unter diesen Relikten fallen uns die Wohn­- und Geschäftsbauten auf, die sehr oft den Charakter einer Stadt, eines Dorfes oder einer Straße prägen. Dabei hat sich nach heuti­ger Auffassung eine Vorliebe für alte Bauten entwickelt, die leider in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg nicht vorhanden war und zur Zerstörung vieler Kultur-und Baudenkmäler im Interesse einer nüchternen, heute oft häßlich empfundenen (Wiederauf-) Bautä­tigkeit führte. Dudweiler wurde zwar vor über tausend Jahren zum ersten Mal erwähnt, erhaltene Bauwerke aus dieser oder auch späterer Vorzeit gibt es jedoch nicht mehr. Außer dem Alten Turm und dem ehemaligen Jagdhaus des Fürsten von Nassau-Saar­brücken, dem einen oder anderen Privathaus aus den vergange­nen beiden Jahrhunderten, die zum Teil unter Denkmalschutz ste­hen, sind wohl kaum ältere Bauten in Dudweiler zu finden.

Gerade deshalb scheint es wichtig und interessant, die vorhande­nen Häuser - zumindest die älteren - nach ihrer Gründung, Art und Verwendung zu erforschen und für den Interessenten festzu­schreiben. Auch die Menschen und Familien, die in diesen Häu­sern wohnten und arbeiteten, dürfen dabei nicht unerwähnt blei­ben.

Die Ergebnisse derartiger Arbeiten für den gesamten Bereich von Dudweiler darzustellen, würde natürlich den hier verfügbaren Rahmen bei weitem sprengen. Der Chronist wird sich daher auf ei­nen kleineren Abschnitt als Einstieg in diesen Sachbereich be­schränken. Hierbei bietet sich das frühere und jetzige Geschäfts­zentrum von Dudweiler, die Saarbrücker Straße im Stadtkern, als erstes an.

Jeder "Dudweilerer" kommt mehr oder weniger oft "ins Dorf", und der Straßenabschnitt zwischen Markt und St. Ingberter Straße ist wohl auch den meisten Besuchern Dudweilers bekannt.

Nachstehender Beitrag soll beileibe kein baufachlicher oder denk­malpflegerischer Aufsatz sein, sondern lediglich eine durch umfangreiche Nachforschungen gestützte Erinnerung eines alten Dudweilerers für ebensolche Mitbürger und alle, die Interesse an der Vergangenheit unserer Stadt zeigen.

 

Beginnen wir also mit einer möglichst exakten "Häuserge­schichte" eines Teiles der früheren "Provinzialstraße" (um 1900), die mit Ausnahme der Zeit von 1935 bis 1945 (Adolf-Hitler-Straße) seit etwa 1910 den Namen "Saarbrücker Straße" trägt.

Es soll nachstehend versucht werden, einige Bauten dieses Sek­tors, zum größten Teil Geschäftshäuser, nach Baujahr, Besitzer und Verwendungszweck zu beschreiben und weitere geschicht­lich interessante Einzelheiten zu berichten.

Der Übersicht halber soll die "Dorf"-Besichtigung auf der linken (westlichen) Seite nach dem 1897 erbauten Wasserwerksge­bäude (Saarbrücker Straße 229) beginnen. Sie führt dann weiter in Richtung Sulzbach bis zur Einmündung St. Ingberter Straße. Auswahl und Einzelheiten wurden bestimmt durch den augen­blicklichen Informationsstand.

Die Angaben stützen sich hauptsächlich auf schriftliche Quellen verschiedener Art, die im konkreten Fall angemerkt sind. Sie sind jedoch in vielen Fällen ergänzt nach Gesprächen mit Sachkundi­gen und Mitteilungen u.a. der jetzigen Hauseigentümer, denen ich dafür Dank schulde.

 

Der Verlauf der Saarbrücker Straße, einer schon um 1680 als "Franzosenstraße" bezeichneten Verbindung von Saarlouis über St. Johann durch das Sulzbachtal bis nach Homburg1, hat sich auf der gesamten Strecke seither nicht verändert (die "Neue Chaus­see" nach Saarbrücken wurde bereits 1739/40 befestigt und löste damit die bisherige Verbindung Dudweiler-Saarbrücken durch den St. Johanner Wald - Alter Stadtweg –ab2, obwohl die Saar­brücker Straße heute keine "Hauptstraße" mehr ist. Seit Ende 1964 führt die Hauptverbindungsstrecke Saarbrücken-Sulzbach durch die Sulzbachtalstraße.

Wie die Rekonstruktion eines Häuserplanes aus dem 17. Jahr­hundert2 zeigt, war neben dem ältesten Siedlungspunkt am Büchel damals auch die Provinzialstraße im Einmündungsbereich Scheidter Straße und - später - auch zwischen Rathaus - und St. Ingberter Straße bebaut3. Auf dem jetzt zu beschreibenden Ab­schnitt gab es demnach vor 300 Jahren ca. 20 Häuser, heute sind es rund 604. Es ist nicht bekannt, ob Bausubstanz aus die­ser Zeit noch vorhanden ist, außer dem KeIlergeschoß des Hinter­gebäudes der Firma Brenner, Saarbrücker Straße 293, sowie den Erdgeschoßmauern des Hauses Schöpflin an dem "Kirchgäs­schen" genannten Weg gegenüber der Christuskirche zum Turm­schulhaus, die "in der Bausubstanz jedenfalls sehr alt sind " (1714 erbaut)5.

 

Nun aber zum Eigentlichen: Neben dem Maschinen-und Kesselhaus des Wasserwerkes la­gen in Richtung Marktplatz um die Jahrhundertwende einige un­bebaute Grundstücke. Im Jahre 1928 erstellte der Schuhmacher­meister Peter Woll (1886-1943) im Anschluß an das Wasserwerk zwei Wohn-und Geschäftshäuser, Saarbrücker Straße 231 und 233. Es handelt sich - die Fassade ist im wesentlichen gleich ge­blieben - um zwei spiegelgleiche Häuser mit Ladenlokalen im Erd­geschoß und insgesamt dreieinhalb Stockwerken, unmittelbar an das rechte Nachbarhaus angebaut. Während im Parterre des rechten Hauses seither das Schuhhaus Woll seinen Sitz hat, beherbergte der linke Teil des Doppelhauses von 1929 bis 1930 die Geschäftsräume der Firma Hut-Risch (Franz Risch, später jahrzehntelang in der Saarbrücker - Ecke Rat­hausstraße) und diente dann über 30 Jahre lang als Konditorei und Cafe. Von 1933 bis 1941 waren es Ludwig Woll (der Bruder des Schuhhausinhabers Peter Woll jun.), der 1941 zur Wehr­macht eingezogen wurde und am 20.9.1944 in Frankreich gefal­len ist, nach dem Kriege von 1949 bis 1959 Hans Sorg (danach bis heute in der Beethovenstraße), von 1959 bis 1963 Helmut Demuth und schließlich bis 1965 Hein Petilliot, die das beliebte und gutbe­suchte Lokal in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes führten.

Seitdem umfaßt das Schuhhaus Woll auch das Erdgeschoß des linken Hausteils. Peter Woll jun., Schuhmachermeister, hatte das Geschäft 1931 von seinem Vater übernommen. Mit Engagement und Qualitätswaren erreichte er in über 50jähriger Leitung des Hauses einen starken Aufschwung der Firma. Erst 1987, mit 84 Lebensjahren, setzte er sich endgültig zur Ruhe. Zur Zeit umfaßt die Firma "Schuh moden Woll GmbH" mit den Geschäftsführern Rudi (48) und Gerd Woll (45) außer dem Hauptgeschäft den "Schuhladen" in der Saarbrücker Straße 269 (seit 1982 - Leiterin Maria Cordts) sowie zwei weitere Geschäfte der gleichen Branche in Völklingen und Trier.

Die Wolls sind eine alteingesessene Dudweiler Familie. Schon 1882 gründete Valentin Woll (1838-1921) in der Provinzialstraße 241 (heute Saarbrücker Straße 283 - gegenüber der ev. Kirche) eine Schuhmacherei und Schuhhandlung.

Nachdem 1914 sein Neffe Peter Woll sen. das Geschäft als einzi­ger Schuhfachmann in der Familie übernommen hatte, verlegte er die Werkstatt 1924 kurzfristig in die Luisenstraße, ehe die Fertig­stellung des Neubaues die endgültige Niederlassung ermög­lichte6.

 

Am südwestlichen Rand des alten Marktplatzes steht eines der wohl ältesten Gasthäuser der Ortsmitte, das "Krokodil". Das große Bauwerk an der Ecke Büchelstraße - Saarbrücker Straße - Alter Stadtweg einschließlich des Hauses Schahn, jetzt Samen-Hauck, (Alter Stadtweg 1), ist schon auf einem Häuser­plan des 18. Jahrhunderts verzeichnet und stand vermutlich bereits 1628, mindestens jedoch 16867 Der Dudweiler Pfarrer Johann Christian Barthels· beschreibt es als "das Krämer­sehe, ein altes Stammhaus, brannte 1716 ab, ist wieder erbaut. Hans Velten Krämer hat das Haus 1651 vom Fiskus gekauft. 1764 gehörte es je zur Hälfte Matthias und Valentin Krämer".

Mit der jetzigen Eigentümerin des rechten Teiles, Frau Marianne Tautz geb. Quartz ist das Haus Saarbrücker Straße 236 (früher Provinzialstraße 200) in der fünften Generation in Familienbesitz. Nach ihrer Kenntnis wurde es 1841 von ihrem Ur-Ur-Großvater Jo­hann Nikolaus Blatter, genannt "Vetter Hannikel", einem Nach­kommen der ersten Besiedler des Neuweiler Hofes, gebaut, mög­licherweise aber auch auf dem vorhandenen Bauwerk aufge­stockt, und gleichzeitig im Erdgeschoß als Bäckerei und Gasthaus eingerichtet. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb die Familie Blatter/Heinz/Quartz mit geringen Unterbrechungen die Ge­schäfte selbst, später übernahmen verschiedene Pächter die wohl schon seit langem "Gasthaus zum Krokodil" genannte Gaststätte (ein ausgestopftes Krokodil, früher im gleichnamigen Hotel der Familie Heinz in Saarbrücken, schmückte lange Jahre die Gast­stube). 1931/32 erfolgte mit dem Wegfall des bekannten Wirtsgar­tens vor dem Hause auch ein Umbau des Erdgeschosses. Man brach die heute noch vorhandene Tür an der vorderen Hausecke; ab 1950 wurde die Wirtschaft nur noch in einem Raum an der Seite zur Büchelstraße betrieben, die dem Marktplatz zugewandte Seite ist seither von verschiedenen Läden und Handwerksbetrieben be­legt.

An Wirten und Firmen, die längere Zeit im Haus Saarbrücker Straße 236 Räume gepachtet hatten, sind zu nennen:

"Krokodil" (damals schon ohne Bäckerei)

-   Jahrhundertwende bis 1912 Walter Hackbarth (Zäpfer Emil Krücken).

-   1925 bis 1930 und nach dem Umbau bis 1938 Ludwig Lorenz.

-   1939 bis etwa Kriegsende Karl Ammon, Bäckermeister - vorher Bäckerei in der Scheidter Straße 28, dann Ortsgruppenleiter der NSDAP in Dudweiler -.


-   Ab 01. 09. 1945 belegte das Sozialamt der Gemeinde Dudweiler die Räume im Erdgeschoß.

-   A9. 08. 1947 konnte das Gasthaus erst wieder von Marianne Quartz (Pächter Hans Neffgen), eröffnet werden.

-   Ende 1950 erfolgte ein weiterer Umbau und eine Teilung der Räume.

-   Wirte waren bis 1959 Ernst und Frieda Müller.

-   anschließend bis 1962 Elise (Liesel) und Otto Gerfelder.

-   nach verschiedenen anderen von 1968 bis 1972 Joachim Wunn.

-   Von 1972 bis 1986 Josef Inden.

Der große Eckraum diente von 1951 bis 1957 der Firma L. Gottlieb als Filiale, es folgte bis Oktober 1970 der Friseursalon Haller, anschließend Friseur Rudi Schneider und seit 1988 bis jetzt dessen Nichte Petra Höchst im "Salon Petra" .

Das Geschäftslokal an der Seite zum Anwesen Samen-Hauck war zuerst 1951 an die Firma Heinrich Wehling, Schreibmaschinen, verpachtet. Nach verschiedenen Textilfirmen hatte von 1961 bis 1971 die Seifenhandlung Bau ("Seifen-Bau") dort ihre Geschäfts­räume. Seit etwa 1972 besteht dort die "Hosen-Bude" bzw. jetzt die "Hosen-Ecke".

Man sieht, dies ist nicht nur ein altes, sondern auch als Geschäfts­haus den Einwohnern allgemein bekanntes Haus.

 

Zwei ebenfalls altbekannte Geschäftshäuser an der Westseite des Marktplatzes mußten vor einigen Jahren der neuen Theodor­Storm-Straße (Verbindung zwischen Beethoven-und Sulzbach­talstraße) weichen.

Das größere, zweistöckige Haus Nr. 237 (vorher Proinzialstraße 201) ist zwischen 1897 und 1900 gebaut worden. Eigentümer war zumindest 1906 der Kaufmann Wilhelm Kliebenstein, welcher in diesem Jahr zwei Fenster der Vorderfront zu Schaufenstern um­änderte und im Erdgeschoß ein Ladenlokal errichtete9.

Um 1909 gehörte das Haus dem Metzger Albert Heinz, einem Bru­der des Gastwirtes Ludwig Heinz ("Krokodil"). Von dessen Witwe erwarb es etwa 1918 der Heusweiler Kaufmann Jakob Schröder und eröffnete dort eine "Landesproduktenhandlung" (Kartoffeln, Gemüse, Futtermittel pp.).

Als im Jahre 1926 das Nachbarhaus der Familie Maul (Nr. 235) im Erdgeschoß umgebaut wurde, verlegte der Kaufmann Simon Scholem sein Geschäft von dort in das Haus Schröder, wo er es bis etwa 1935 -1936 weiterführte. Welche Geschäfte anschließend in diesem Haus waren, war bis jetzt nicht zu ermitteln. Zumindest seit 1952 bis 1961 unterhielt die Schuhfirma "Bata" eine Filiale in der Saarbrücker Straße 237. Ihr folgte eine Ver­kaufsstelle der Nähmaschinenfabrik "Singer" mit Verkauf und Re­paratur von Nähmaschinen sowie Kurzwaren und Stoffen bis 1982 (sie wechselte dann - bis 1988 - in die Saarbrücker Straße 256). Nach kurzzeitiger anderer Nutzung ("SchneIlimbiß" I. Hauck) er­weiterte die Fa. Kuhl (Haus-Nr. 237 a) ihre Geschäftsräume in das Nachbarhaus und stellte auf den Verkauf von Wolle, Stoffen und Kurzwaren um . Ende 1985 erwarb die Stadt das Haus und es wurde abgerissen. Die Fa. Kuhl war vorher ins eigene Haus Saarbrücker Straße 260 umgezogen11.

Bei dem kleineren der beiden Häuser, Nr. 237 a, handelte es sich um ein eineinhalbgeschossiges, als "Verkaufshalle" von Jakob Schröder 1924 errichtetes Gebäude. Es war wohl schon wegen seiner - zumindest in unserer Gegend - unüblichen Dachkon­struktion (sogenanntes "Spitztonnendach" mit Front-und Rück­giebel) jedermann ins Auge gefallen.

In der Nachbarschaft wurde das Häuschen damals nur "die Syn­agoge" genannt. Jakob Schröders Sohn Paul (geb. 1907 in Heus­weiler, gestorben 1974 in Saarbrücken) betrieb von Anfang an dort einen Feinkostladen -er hatte eine entsprechende Lehre bei Feinkost-Kröß in Saarbrücken absolviert -, bis er nach dem Tode des Inhabers die Firma Köß übernahm. Die Ladenräume waren danach im Laufe der Zeit an verschiedene Geschäftszweige (Han­darbeitszubehör, Zeitschriften, Schuhhandel u. a.) vermietet. Während des Zweiten Weltkrieges hat der Uhrmacher Karl Engels dort gewohnt und gearbeitet; von 1950 bis 1961 befand sich der bekannte "Stoff-Pavillon" Rudolf Rothfuchs dort, dann zog die Fa. Kuhl mit ihrer chemischen Reinigung ein, die später zu einer Wolle- und Stoffhandlung umgewandelt wurde. Wie das Nachbarhaus fiel auch der kleine Pavillon 1985 der Spitz­hacke zum Opfer. Die neue Durchfahrtsstraße zur L 125 (Sulzbachtaistraße) führt seither über die beiden ehemaligen Haus­grundstücke.10

 

Das wuchtige vierstöckige, vor dem Entstehen der neuen Stadtmit­te den alten Marktplatz beherrschende ehemalige "Dudweiler Kaufhaus E. Ochse" (Haus Saarbrücker Straße Nr. 239/241) ist in Dudweiler wohl jedermann bekannt. In den vergangenen 80 Jah­ren war es in Dudweiler das Kaufhaus schlechthin, in dem sich die Einheimischen und nicht wenige "Auswärtige" aus der Umgebung von Damen- und Herrenkonfektion über Gardinen, Wäsche und Stoffe bis zu Wolle und Kurzwaren mit allem Notwendigen versor­gen konnten.

Auf Bildern aus der Zeit der Jahrhundertwende sind die beiden ur­sprünglichen Häuser zu sehen (damals Provinzialstraße 202 und 203). Im rechten, zweieinhalbstöckigen Haus befand sich schon 1900 das Textil-, Hut-und Schuhgeschäft Joseph Levy Wwe.12 Geschäftsführer war zumindest von 1908 bis 1935 Jakob Fuchs. Die Gründungszeit der Firma Levy ist jedoch nach derzeitigen Er­kenntnissen nicht feststellbar, ebensowenig das Baujahr des Ge­bäudes.

Auch die Entstehung des linken, einstöckigen Hauses Nr. 202 ist nicht gesichert, jedenfalls beherbergte es 1897 das Uhrmacher­geschäft Fritz Keller13 und ging kurz nach 1900 in den Besitz von J. Levy über, der 1908 das kleine, damals offensichtlich schon alte Haus abriß und durch einen Neubau ersetzte.

Zur gleichen Zeit wurde das rechte Haus im Erdgeschoß umge­baut und im Innern mit dem Nebenhaus verbunden.


Zur Zeit der unsicheren Verhältnisse nach dem ersten Weltkrieg gab es auch in Dudweiler viele Arbeitslose, und neben Lebensmit­teln waren auch Gebrauchsgüter recht rar. Im Gefolge von man­cherlei Unruhen unter der Bevölkerung wurde auch das Kaufhaus Joseph Levy Wwe. am 7. Oktober 1919 von einer aufgebrachten Menge gestürmt und geplündert. Dabei entstand an Einrichtungen und durch gestohlene Waren Schäden in einer Gesamthöhe von 12.600,- Mark.

Die Verluste des Hauses wurden durch Vergleich mit der Versi­cherung der Gemeinde (z.T.) ersetzt (wegen der Inflation in diesen Jahren ist eine genaue Regulierung wohl nicht möglich gewe­sene)"14.

(Gleiches geschah übrigens einen Tag später bei Franz Louis Wwe., Inhaber Elise Troeger geb. Bengsch, Saarbrücker Straße 320, wobei durch Diebstahl an Cigarren, Cigaretten, Bürstenwa­ren, Waschmitteln, Wolle, Anzügen, Schuhen pp. ein Schaden von 1800,- DM entstand.15)

Die Gesellschafter Jakob Fuchs (Geschäftsführer), Frau Alice Fuchs geb. Albert und Wwe. Ferdinand Albert, wie Joseph Levy jü­discher Abstammung, verkauften am 1.5.1935 das Haus und die Firma an den damals 57jährigen Emanuel Ochse, der aus Her­belhausen, Kreis Frankenberg (Hessen) stammte.

Ochse wohnte 1910 in Ottweiler und war auch in Dudweiler als "Reisender" in Kurzwaren pp. tätig. Zumindest 1927 betrieb er in der Saarbrücker Straße gegenüber dem Gasthaus Nemenich, wahrscheinlich im Hause Freudenberger, ein "Kaufhaus“16.

Übrigens ist auch das Sulzbacher Kaufhaus Levy damals in den Besitz von E. Ochse übergegangen. Das "Dudweiler Kaufhaus Emanuel Ochse GmbH" wurde von 1935 an durch den Besitzer selbst geleitet. Auch der zweite Weltkrieg ging nicht spurlos am Kaufhaus Ochse vorüber. Zitat aus den damaligen Aufzeichnungen des Betriebsleiters von Kaisers's Kaffeegeschäft in Dudweiler, Saarbrücker Straße 262, Ludwig Kober17 :

 

"Montag, den 19. März 1945

Die Beschießung hält mit unverminderter Stärke an. Am Markt brennt das Kaufhaus Ochse. Im Augenblick des Einschlages fuhr ein Militärfuhrwerk daran vorüber. Beide Pferde tot, der Fahrer blieb unverletzt. Trotz fortwährender Einschläge werden die Pferde von der Bevölkerung sofort ausgeschlachtet. Die Leute ris­sen die Fleischfetzen nur so heraus"

(binnen einer Stunde lagen nur noch die Hufe, Knochen und Innereien auf der Straße).

 

Der Brand im Kaufhaus hatte beträchtlichen Schaden angerichtet. Nach Kriegsende befand sich (bis 1948) die französische Ortskommandatur im Hause Ochse sowie eine Kantine und Einkaufs­stätte für die franz. Besatzungstruppen (Cooperative), in dem man mit entsprechenden "Beziehungen" schon einmal einkaufen konnte. Erst 1948 wurde das Haus endgültig instandgesetzt und ein unein­geschränkter Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen. Nach 1945 übernahm Kurt Gillmann aus Saarbrücken die Ge­schäftsführung und übte diese bis 1963 aus, als das Kaufhaus Ochse aufgelöst wurde. 1957/58, bei einem weiteren Umbau, entstand die jetzt noch bestehende Fassade, die das Haus optisch zu einem großen, vier­stöckigen Block zusammenfaßte. Die Firma beschäftigte zeitweise über 50 Angestellte.

Emanuel Ochse, der seit 1955 auch seinen Wohnsitz in Dudweiler hatte, starb 1966. Seine Frau war bereits zwei Jahre vorher ver­storben, zwei Söhne sind als deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg geblieben. Kurt Gillmann wurde nach Ochses Tod Testamentsvollstrecker und verwaltete auch den Nachlaß (Hauseigentümer sind noch im­mer die Erben Ochse). Gillmann hat dieses Amt 1977 an den Ar­chitekten Horst Windecker abgegeben. Ein Jahr später starb er16. Das Geschäft ging 1963 in die Hände der Firma Edelmann GmbH & Co über und die "EMA" führte 15 Jahre lang etwa die gleichen Branchenartikel in günstigen Preisklassen. Zwei weitere Jahre hatte die Firma Weirich als Untermieter der EMA ein Kaufhaus dort. Es folgte 1982 die Fa. "Kaufland GmbH" (Georg Müller-Risch), die die Geschäftsräume an verschiedene Firmen weitervermietete (hauptsächlich zu nennen: Textil-Straßner, Cato-Schuhe, Metz­gerei Brück, Bäckerei Minas, Filiale Steinacker-Gillenberg sowie eine Videothek, das Gastlokal "Bauernstübl" und diverse Büro­räume).

Derzeit besteht etwa die gleiche Geschäftsstruktur als Gemein­schaftskaufhaus unter Verwaltung der Fa. Immo-Miet GmbH18.

 


An der spitzwinkligen Straßeneinmündung Beethoven-, Saarbrük­ker- und Scheidter Straße stand bis Ende der vierziger Jahre ein uraltes, zweieinhalbgeschossiges bäuerliches Haus mit großem Scheunentor an der Front zur Saarbrücker Straße. Nach dem Krieg wurde es kurzerhand "Eppe Scheuer" genannt, weil der Ge­müsehändler Valentin Epp in der Scheune jahrelang sein Ge­schäft führte. Ob das übrige Haus damals noch bewohnt war, ist nicht bekannt.

Früher war es im Besitz des Grubenstellmachers Heinrich Paff­rath, geb. 31.7.1842 in Berghausen Kreis Sieg, 1885 tödlich ver­unglückt auf Grube Camphausen, als das schwere Grubenun­glück insgesamt 181 Menschenleben forderte. Paffrath hinterließ eine Frau (Wilhelmine geb. Woll aus Dudweiler) und 7 unmündige Kinder, die danach noch das Haus bewohnten. 1937/38 erwarb es die Gemeinde Dudweiler. Frau Paffrath zog mit einer unverheirateten Tochter in die Peter-Otto-Straße 4, die jet­zige Trierer Straße (später war es das Haus Dr. med. Wolfs). Sie starb 194119.

Die Gemeinde hat das alte Haus in der Saarbrücker Straße umge­hend an die Kreissparkasse Saarbrücken weiterverkauft. 1941 er­warb der Kaufmann Philipp Jung das Grundstück.

Das Haus wurde abgerissen und Jung erbaute 1949 das jetzige Geschäftshaus (Saarbrücker Straße 242) - im ersten Bauab­schnitt einstöckig - an die gleiche Stelle. Die Eröffnung des Haus­haltswarengeschäftes Philipp Jung erfolgte am 15.3.1950; im Jahr 1953 wurde das Haus auf 3 Stockwerke erhöht. Zur Zeit ist eine Änderung der Fassade im Gange, bei der gleichzeitig der seit langen Jahren als Verkaufswagen vor dem Hause stehende Schnellimbißstand Wolfgang Sämann (früher Schöpflin) in der rechten vorderen Hausecke ein neues Domizil finden wird.

Der jetzige Geschäftsführer der Fa. Ph. Jung KG, Helmut Jung (49), ist bereits in der dritten Generation Eisen- und Haushaltswarenkaufmann. Sein Großvater, Philipp Jung sen., betrieb seit 1922 in Jägersfreude, später in Herrensohr, ein Geschäft der gleichen Branche. 1933 zog die Firma Philipp Jung Söhne (Wilhelm u. Phi­lipp jun.) in das Haus Dudweiler, Saarbrücker Straße 277, in dem vorher die Eisenwarenhandlung Heinrich Jennewein zu Hause war. Helmut Jung, Präsident des Verkehrsvereins Dudweiler, steht täg­lich im Geschäft ebenso wie Ehefrau Hella und Sohn Bernd (25), der wohl die Tradition Jung einmal weiterführen wird.20

 

Die rechte Ecke der Einmündung Trierer-Saarbrücker Straße war bis Mitte der 20er Jahre unbebaut. Mit Hilfe der "Baugenossen­schaft 1925 Dudweiler", die seit dieser Zeit in gut 50 Jahren mehr als 100 Bauherren zum Hausbau verholfen hat, errichtete der Kaufmann Peter Kaster im Jahr 1926 das jetzt noch äußerlich un­veränderte Eckhaus Saarbrücker Straße 247. Die sehr schmale Front des dreieinhalbstöckigen Gebäudes weist nach der Saar­brücker Straße, während die längere Seite entlang der Trierer Straße liegt.

Peter Kaster, Geburtsjahrgang 1895, der seine Lehre als Lebens­mittelkaufmann bei der Saarbrücker Firma Pasquay absolvierte und dann Verkäufer bei Feinkost-Kröß war, eröffnete etwa 1924 sein eigenes Geschäft in Dudweiler, und zwar im Hause Saarbrükcker Straße 257 (Gasthaus Pitz-Reitz). Nach kurzer Zwischensta­tion des Ladens im Haus Nr. 249 (vorher "Käse-Kopp", später Uh­ren-Straßner) während der Bauzeit konnte Ende 1926 das eigene Haus bezogen werden. Damit hatte Dudweiler für lange Zeit ein renommiertes Feinkost-Geschäft.

Peter Kaster wurde zu Kriegsbeginn Soldat, seine Frau führte das Geschäft weiter.21

Im Juni 1942 verlegte die "Gewerbebank Dudweiler eGmbH", die Vorläuferin der heutigen Volksbank, ihre Geschäftsräume aus der Scheidter Straße 1 ins gegenüberliegende Haus Kaster und er­warb das Anwesen. Die Geschäftsräume der Bank blieben dort bis 1950.

Peter Kaster gründete nach dem Kriege eine Wach-und Schließ­gesellschaft einschließlich Gebäudereinigung und erbaute ein neues Haus in der Sulzbachtalstraße gegenüber der Einmündung Trierer Straße. Er starb 1974.

Das Haus der Gewerbebank ging Mitte der fünfziger Jahre in den Besitz des Metzgermeisters Fritz Tempel, Sudstraße, über. Es ge­hört heute dessen Erben. 1952 eröffnete Frau Jettel Baldes im Eckhaus ein zweites Textil-und Modegeschäft, zusätzlich zu ih­rem bereits seit mehreren Jahren im Hause Enderlein (Saarbrük­ker Straße 274) bestehenden Modehaus.

Seit nunmehr über einem Vierteljahrhundert (1962) wird in diesem Haus während der warmen Jahreszeit das bekannte Eis-Cafe An­gelo Arnoldo geführt, das seiner kühlen Erzeugnisse wegen einen hervorragenden Ruf bei alt und jung erworben hat.

Dudweilers älteste Metzgerei -nach sechs Generationen in der Familie Kuhn auch jetzt mit dem neuen Inhaber Fa. Philipp Brück Söhne ein renommiertes Fachgeschäft in der Ortsmitte - befindet sich im Hause Saarbrücker Straße 259.

 

1858 -1861 erbaute Christian Kuhn (geb. 1832) das Doppelhaus Provinzialstraße 219 und richtete im linken Teil die Metzgerei ein, die vorher schon Vater Wilhelm und Großvater Georg Kuhn in Dudweiler und Sulzbach betrieben hatten. Georg Kuhn, aus der Pfalz stammend, hatte 1797 das erste Geschäft im Haus August Kerger gegründet. Von 1826 bis 1858 befand sich der Handwerks­betrieb in Sulzbach, in Dudweiler wurde eine Verkaufsstelle auf­rechterhalten. Seit 1890 führte Christian Kuhn jun. (geb. 1.11.1860, gest. 29.11.1934) den Betrieb.

Die Familie Kuhn hatte ihren Wohnsitz im gleichen Haus. Zum An­wesen Kuhn gehörte zudem das kleine Nachbarhaus Provinzial­straße 221, jetzt Saarbrücker Straße 261, sowie größerer Grund­besitz u.a. innerhalb des Gevierts Saarbrücken-Trierer-Rathaus­straße und dem Sulzbach. Auch das frühere Jagdhaus des Saar­brücker Landesfürsten, später "Hotel und Gasthaus Nassauer Hof", war um die Jahrhundertwende einige Zeit im Eigentum eines Mitglieds der Familie Kuhn. Christian Kuhn, verheiratet mit der Fabrikantentochter Katharina Wahlster aus Saarbrücken, hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Der Älteste, Christian III., starb 1909 im Alter von 19 Jahren. Karl, geb. am 25.3.1894, Metzgermeister wie sein Vater, übernahm 1924 das Geschäft. Er stellte u.a. die zuvor stets mitbetriebene


Landwirtschaft ein und konnte den inzwischen von Hand- auf Ma­schinenfabrikation umgestellten Metzgereibetrieb weiter aus­bauen. Der Name Kuhn wurde zu einem Qualitätsbegriff auch über Dudweiler hinaus. Karl Kuhn erbaute 1934 an der Sulzbach­talstraße, die damals noch "Rathausstraße" hieß, ein schönes Wohnhnaus, die "Villa Gustel" (benannt nach seiner Frau Auguste geb. Kerger), SuIzbachtalstraße 128. Es ist heute im Besitz der Volksbank Dudweiler und wird betrieblich genutzt.

 

Nach 30jähriger selbständiger Handwerks-und Geschäftstätig­keit mußte Karl Kuhn krankheitshalber den Betrieb aufgeben. Sein Großneffe, Metzgermeister Karl Heinz Braeuning, der sich schon vorher in den Betrieb eingearbeitet hatte, übernahm 1954 die Metzgerei.

 

Nach einer dringend erforderlich gewordenen Modernisierung des Verkaufsraumes zeigte sich die Firma Kuhn-Braeuning auch äu­ßerlich im neuen Stil. Der plötzliche Tod Karl Heinz Braeunings, der am 2.8.1973 im Alter von 48 Jahren starb, beendete die Metz­gertradition des Hauses Kuhn. Seither (ab 4.9.1973) ist in den Geschäftsräumen eine Filiale der renommierten Firma Philipp Brück Söhne, die neben dem Hauptsitz in Jägersfreude noch wei­tere Verkaufsstellen in Jägersfreude und Dudweiler hat.

 

Der rechte Hausteil (Nr. 259), der bis 1935 nur als Wohnhaus der Familie Kuhn diente, beherbergte im Parterre von 1935 bis etwa 1941 die Praxis des einheimischen Zahnarztes Dr. Fritz HirscheI­mann. Im August 1948 richtete das Kaufmannsehepaar Heinz und Inge Günther geb. Blümer (Enkelin Christian Kuhns) eine Eisen­warenhandlung ein und betrieb das Geschäft gemeinsam bis 1979. Dann übernahm es der seit Beginn als Lehrling und später Angestellter im Laden beschäftigte Alois Latz, der den Betrieb mit seiner Ehefrau in gleichem Sinne weiterführt. Heinz Günther ver­starb am 3.4.1980.

 

 

 

Die älteren Bürger Dudweilers können sich sicher noch an das "alt Kuhne Haus" erinnern, welches rechts neben der Metzgerei trotz

 

zweier Stockwerke klein und niedrig schien. Nach Angaben von Frau Inge Günther war es etwa 1750 erbaut worden und gehörte damals der Familie Maul, deren Tochter Dorothea, geb. 1838, die Ehefrau des Christian Kuhn sen. wurde, welcher seinerseits 1797 das Haus erwarb.

 

Stets als Wohnhaus (Provinzialstraße 221, jetzt Saarbrücker Straße 261) oder Sitz von Kleingeschäften (1920-30 "GemüseEpp", später in der Scheune des paffrath'schen Hauses am Markt) genutzt, hat Heinz Günther das altersschwache Häuschen 1949 abgerissen und durch einen einige Meter zurückgesetzten zuerst ein-, später auf dreieinhalb Stockwerke erhöhten Neubau ersetzt, dessen Erdgeschoß und 1. Etage als Haushaltswarenund Porzellanabteilung der Firma Günther eingerichtet wurde.

 

1979 eröffnete Apotheker Karl Weise in diesen Räumen die "Marien-Apotheke" (er betrieb vorher die "Rathaus-Apotheke" an der Ecke Rathaus-Luisenstraße).

 

 

 

Christian Kuhn juniors älteste Tochter Kathinka (1892-1987) war mit dem Holzsachverständigen und -kaufmann August Blümer aus Sulzbach (1879-1961) verheiratet. Dieser eröffnete 1937 auf dem mittleren Teil des kuhn'schen Anwesens, Eingang Trierer Straße gegenüber dem UT -Kino, eine Holz- und Kohlenhandlung, die nach seinem Tod von seinen Söhnen Herbert (t 1976) und Kurt unter Erweiterung auf den Handel mit Heizöl bis 1979 weitergeführt wurde.

 

Hedwig, die jüngste der Kinder Christian Kuhns (1898 - 1967), war unverheiratet und lebte bis zu ihrem Tode im Elternhaus.22

 

 

 

"Im Jahre 1878 wurde in Dudweiler unter dem Titel 'Dudweiler An­zeiger' eine Zeitung gegründet, die ein- bis zweimal in der Woche erschien und zugleich amtliches Organ für den Bürgermeisterei­bezirk Dudweiler war. Im Jahre 1889 ging die Zeitung in den Besitz von Johann Unterkeller über und heißt seitdem 'Dudweiler Zei­tung'. Sie erschien anfangs dreimal, dann sechsmal wöchentlich und hält sich von Parteipolitik frei. Die Auflage betrug im Jahre 1889 dreihundert, jetzt viertausendzweihundert Stück. Der jetzige Besitzer ist Artur Unterkeller" .

 

 

 

So schreibt Albert Ruppersberg 1923 23über die Zeitung, die 56 Jahre lang im Hause Saarbrücker Straße 292 gedruckt und verlegt wurde.

 

Buchdruckmeister Johann Unterkeller kam von Birkenfeld. 1888 erwarb er das alte Haus Provinzialstraße 250, richtete seine Buchdruckerei dort ein und begann umgehend mit der Herstellung der "Dudweiler Zeitung". Das Haus stand unmittelbar neben dem alten Pfarrhof der evan­gelischen Gemeinde Dudweiler, welches seinerseits bereits 1590 gebaut und erst 1873 abgerissen wurde, weil an gleicher Stelle die Christuskirche entstand24. Vor dem Erwerb durch J. Unterkeller hatte ein Hufschmied darin gewohnt und gearbeitet. Das Baujahr des alten Hauses - 1763 - , das im Türsturz eingemeißelt war, ist noch heute zu sehen. Heinrich Otto, Gemeindebaumeister und Schwager von Frau Emma Unterkeller, war der Architekt des Neu­baues, und er hat eben diesen Sturz mit besagter Jahreszahl über dem unteren Flurfenster an der Rückfront wiederverwendet und somit der Nachwelt erhalten.

 

Da ist noch zu erwähnen, daß die breite Einfahrt des alten aus der späten Barockzeit stammenden Hauses dem Hufschmied als Werkstatt diente. So erinnert sich Salome Kootz geb. Unterkeller auch noch gut an die schweren Eisenringe in der Wand der Ein­fahrt, an denen die Pferde, wenn sie beschlagen wurden, ange­bunden waren. Hufeisen, die ja in einer Schmiede reichlich anfal­len, wurden von den Hausfrauen Unterkeller sogar als Abstelle für die schweren, heißen Bügeleisen benutzt.

 

Frau Kootz hat auch fast alle weiteren ihr Elternhaus betreffenden Einzelheiten in Erinnerung, das Zitat ihrer Niederschrift ist daher die ursprünglichste Geschichte des Hauses, das übrigens seit 1925 äußerlich in keiner Einzelheit verändert wurde:

 

 

 

"Johann Unterkeller - mein Großvater - hatte drei Söhne. Der Äl­teste von ihnen, Artur (geb. 1882, der Verf.), war mein Vater, der 1911 nach dem Tode meines Großvaters die Druckerei über­nahm . Er heiratete 1913 die Elsässerin Emma Eglinsdörfer aus Colmar, meine Mutter.

 

1921 starb Artur Unterkeller. 1922 im Dezember heiratete die ver­witwete Emma Unterkeller den Fritz Blankenburg. 1924 wurde meine Halbschwester Brigitte geboren. 1925 wurde das alte Haus abgerissen, und unter Leitung meines Onkels Heinrich Otto, Mut­ters Schwager, das Vorderhaus, so wie es heute steht, erbaut. Er war auch der Initiator, daß das Druckereigebäude aufgestockt und erweitert, die Büroräume der Waschküche aufgesetzt wurden. 1925 zu Allerheiligen konnten wir in das schöne, neue Wohnhaus einziehen.

 

1926 am 17. Januar verunglückte Fritz Blankenburg mit dem Auto tödlich. Meine Mutter führte nun - zunächst mit Unterstützung Heinrich Ottos - den Verlag und die Druckerei. Die Dudweiler Zei­tung erschien bis Dezember des Kriegsjahres 1944. Mutter hatte keinen Augenblick das Haus und den Betrieb verlassen.

 

Nach dem Krieg wurde dem Wiedererscheinen der Zeitung die Li­zenz versagt. Bis 1955 wurden nur Akzidenzien gedruckt (Bro­schüren, Prospekte, Plakate, Formulare, Bücher pp).

 

Dann wurden Verlag und Buchdruckerei an die SPD verpachtet, die Maschinen an sie verkauft. Die Firma hieß nun Artur Unterkel­ler GmbH. Die Al (Allgemeine Zeitung) wurde gegründet. Im Gar­ten hinter dem Betriebsgelände baute man zur notwendigen Er­weiterung eine Halle, im kleinen Ladenlokal im Vorderhaus rechts war die Anzeigenannahme untergebracht. Ein Jahr später zog der Verlag in das Gebäude der Volksstimme nach Saarbrücken, und die CDU mietete von der SPD/SPS die Betriebsräume in unserem Haus. Es folgte nach 1959 - ebenfalls als Untermieter der SPD ­die FDP. Anfang der sechziger Jahre wurden die Betriebsräume aufgekündigt und geräumt. Nachdem sie seit 1964 leer standen, wurden dort 1968 zwei Wohnungen erstellt und die Halle im Gar­ten abgerissen.

 

1981 wurde das gesamte Anwesen an Herrn Udo Herrmann, Dud­weiler, verkauft und dient seither nur noch als Wohnhaus. "

 

 

 

Soweit Salome Kootz. Es bleibt noch nachzutragen, daß die bei­den Ladenlokale im Erdgeschoß des Vorderhauses durchgehend vermietet waren und gewerblich genutzt wurden. In das große Lo­kal links war schon 1925 die Kreissparkasse Saarbrücken mit ihrer Dudweiler Filiale eingezogen und blieb dort bis zum Umzug 1930 ins eigene Haus Saarbrücker Straße 273, Ecke Brücken- (später Rathaus-) straße.

 

Ebenfalls bereits 1925 bezog die Firma Josef Lentes das rechte Lokal, wechselte 1930 nach links und blieb insgesamt fast 50 Jahre lang als renommiertes einheimisches Geschäft für Fahr­- und Motorräder, Nähmaschinen und Zubehör im gleichen Haus. Sehr interessant und damals der modernen Technik angepaßt wa­ren die Autobenzin-Zapfsäulen auf dem Bürgersteig vor dem La­den (Tankstellen im heutigen Sinne gab es noch nicht), an denen auch der Verfasser als Kind staunend beobachtete, wie das Ben­zin von Hand aus einer nicht sichtbaren Quelle hoch in die 5-Liter­Glasballons gepumpt wurde, um dann nach Umschaltung jeweils durch den Schlauch in die Tanks von Autos und Motorrädern zu fließen.

 

Nach der Ära Lentes Anfang der siebziger Jahre etablierte sich bis 1978 Friseur Wern, anschließend bis 1981 Friseur Müller in den linken Räumen. Später betrieb ein italienischer Gemüsehändler dort sein Geschäft bis im vergangenen Jahr.

 

Rechts waren ab 1930 Blumen-David, Zigarren-Röser (bis nach dem Krieg), Konditor Gores bis 1955, dann bis 1964 nacheinander die schon genannten Anzeigenbüros pp. der drei Parteien. Es folgten für jeweils kurze Zeit eine Eisdiele und zwei Gastwirtschaften (makabere Sensation 1979: der Mord an der Wirtin im Lokal), anschließend diverse Kleingeschäfte.25

 

 

 

Damit endet unser erster Gang im "Dorf", der zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden soll, wozu der Verfasser jegliche Information gerne entgegennehmen wird.

 

 


 

 

Anmerkungen:

 

1.    Ernst Schilly in „Dudweiler 977 - 1977“, S. 276.

 

2.    Rudolf Saam in „Dudweiler 977 - 1977", S. 193. Herrmann Schon. ebd . S. 486.

 

3.    R. Saam, a.a.O., S. 193, 199.

 

4.    Herrn Dipl.-Ing. Dieter Meier danke ich für die Anfertigung der Karte.

 

5.    R. Saam, a.a.O., S. 196.

 

6.    Mitteilung der Herren Rudi und Gerd Woll, Dudweiler, vom Juni 1989.

 

7.    R. Saam, a.a.O., S. 190, 193.

 

8.    R. Saam, a.a.O., S. 194.

 

9.    Akte des Bauaufsichtsamtes der Stadt Saarbrücken, betr. Saarbrücker Straße 237.

 

10. Mitteilung Frau Lila Hofmann, Saarbrücken, vom 18.8.1989.

 

11. Mitteilung von Herrn Jörg Kuhl vom August 1989.

 

12. Bildarchiv Stadt Dudweiler, Nr. 1-13.

 

13. Archiv Bgm. Dudweiler, Best. Nr. 254.

 

14. Archiv Bgm. Dudweiler, Best. Nr. 259.

 

15. Archiv Bgm. Dudweiler, Best. Nr. 254.

 

16. Mitteilung von Herrn Architekten Horst Wind ecker, Dudweiler, vom 24.8.1989.

 

17. R. Saam in "Unmittelbare Vorkriegszeit und zweiter Weltkrieg in Dudweiler", Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend,

 

Nr. 211978, S. 175.

 

18. Mitteilung von Herrn Rainer Müller, Dudweiler, vom 30.8.1989.

 

19. Mitteilung von Frau Renate Paffrath-Mahren, Dudweiler, vom 26.9.1989.

 

20. Mitteilung von Herrn Helmut Jung, Dudweiler, vom 26.9.1989.

 

21. U.a. nach Gesprächen mit Frau Tilly Kaster, Dudweiler, vom September 1989.

 

22. Nach Gesprächen mit Frau Inge Günther und Herrn Kurt Blümer, Dudweiler, 1989.

 

23. Albert Ruppersberg, Geschichte der Gemeinde und Bürgermeisterei Dudweiler, Saarbrücken 1923, S. 155.

 

24. R. Saam in "Beiträge zur Geschichte der evangelischen Kirche Dudweiler", Rheinland-Verlag, Köln 1982, S.18.

 

25. U.a. nach Gesprächen mit Frau Salome Kootz, Saarbrücken, August 1989.

 

 

 

Die Bilder stellten freundlicherweise zur Verfügung:

 

Der Verfasser 

 

Schuhmoden Woll

 

Marianne Tautz

 

Bildarchiv der Stadt Dudweiler

 

Arch. Horst Windecker

 

Fa. Philipp Jung

 

Werner Zimmer

 

Inge Günther

 

Salome Kootz

 

 

 


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